Im Netz unter Wölfen

Wie bringe ich meinem Kind Datenschutz bei?

Medienpädagogik ist unendlich wichtig zur Einübung sorgfältiger Verhaltensweisen in einer Zeit, da das Internet zunehmend zur Spielwiese für Kriminelle oder Geheimdienste wird. Deshalb startet nun eine kleine DTJ-Serie zu diesem Thema. (Foto: reuters)

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Die Medienerziehung an Schulen steckt häufig noch in den Kinderschuhen. Statt einen systematischen Lehrplan für Medienbildung als Fach oder integriert in verschiedene Fächer zu konzipieren, hat man sich – so zumindest in Bayern – auf einen Flickenteppich so genannter Referenzschulen verlegt. Dort wird improvisiert und erprobt, was irgendwann mal für alle Gültigkeit haben soll. Zwar ist Medienbildung mehr, als nur mit technischen Neuentwicklungen Schritt zu halten, aber auch in diesem Bereich sind die Aufgaben von enormer Bedeutung.

Der leichte Umgang mit der Technik mag schnell den Blick verstellen für die Herausforderungen dahinter. Wie etwa vermitteln Sie ihrem Kind den Umgang mit den eigenen Daten? Über Partyfotos und andere Postings, die sich in sozialen Netzwerken oder Blogs zu langfristigen Peinlichkeiten entwickeln können, wird viel diskutiert. Der Datenschutz ist zu einem wichtigen Thema geworden.

Dennoch vermachen viele Menschen ihren Kindern heute schon eine Webbiografie, indem sie direkt nach der Geburt mit dem Posten und Sharen von Fotos beginnen. Auch für das Cybermobbing gibt es Ansätze zur Sensibilisierung – nicht nur bei potenziellen Beteiligten, sondern auch bei pädagogischem Personal und Polizei, die mit den Folgen solcher Attacken aktiv umgehen müssen. Aber das Thema Social Profiling ist so komplex, dass auch Eltern und Pädagogen ihren Blick dafür ständig neu schärfen müssen.

Geburtsdatum als No-Go

Und mit diesem Weitblick wird auch der nächsten Generation zu vermitteln sein, wovon man es „sich vorher überlegen“ muss, bevor man es für die virtuelle Ewigkeit frei gibt. Dazu gehört etwa und ganz besonders das Geburtsdatum. Ältere Menschen wissen, dass sie über das Geburtsdatum – etwa eines erkrankten Verwandten – viel regeln können. Man kann so als betreuender Anverwandter etwa für Pflegebedürftige Auskünfte bei Ärzten im Krankenhaus telefonisch einholen oder Behördenanfragen erledigen. Jenseits dieses sensiblen Bereichs können aber mit wenigen Identifikationsmerkmalen vielerlei Rechtsgeschäfte abgeschlossen werden. Wenige Anbieter verlangen oftmals weitere Kennziffern und -zahlen, bevor sie Waren oder Dienstleistungen liefern.

Medienpädagogik ist wichtig zur Einübung sorgfältiger Verhaltensweisen in einer Zeit, da das Internet zur Spielwiese für Kriminelle oder Geheimdienste wird.

Nun möchte Ihr Kind gerne einem sozialen Netzwerk bei- und dort mit Freunden in Kontakt treten. Ob und wie es eventuell mit Fremden in Kontakt treten sollte, wird allgemein problematisiert. Was aber, wenn das Kind sich über Geburtstagsgrüße auf facebook freuen möchte, wie so viele andere auch? Wie vermitteln Sie, dass da niemals das echte Geburtsdatum zum Namen eingegeben werden darf? Es reicht ja oft nicht aus, sich einen Nicknamen zu geben, wie beispielsweise „Rosa Panther“, wenn einen die kontaktierten Freunde dann doch mit dem richtigen Namen anschreiben.

Freunde findet man auch ohne „Freundefinder“

Das Bewusstsein müsste aber schon lange vor der Internetnutzung beginnen. Heute speichern nicht wenige und besonders die Technikaffinen unbedarft sämtliche Daten ihrer Bekannten in Handys und Smartphones ein – mit Name, Foto, Geburtsdatum, Adresse. Und nicht wenige gehen auf so nette Angebote, wie „Freunde suchen“ ein und laden mal eben ihr Adressbuch auf eine Plattform wie Facebook hoch. Aber auch, wenn Sie eine App herunterladen, geben Sie über die AGBs oftmals viele Daten frei, die sich auf Ihrem Gerät befinden, ohne darüber nachzudenken – Zugriff auf Kontaktdaten und sogar Emails. Wie also den Kindern vermitteln, dass sie nicht nur für die eigenen Daten, sondern auch für die ihrer Freunde verantwortlich sind? Und was, wenn man zwar selbst aufpasst, aber ein anderer meine Daten aus seinem Gerät in die iCloud stellt?

Alles nicht so schlimm? Schließlich habe man ja nichts zu verbergen? Nun, wenn man nicht damit rechnet, irgendwann einmal in eine Situation zu kommen, wo einem die eigene (gesetzlich geschützte) Privatsphäre um die Ohren fliegt, oder man sich für einen kleinen Fisch hält, der weder Identitätsklau noch Cybermobbing befürchten muss und schon gar nicht die Mind-Operations, wie sie die NSA über Social Media plante, wie die neuesten Snowden-Dokumente enthüllen… – dann kann man ruhig weiter veröffentlichen, was nicht öffentlich sein sollte. Hoffen kann man dann nur noch auf Fehler, denn mehrere kursierende Geburtsdaten würden ja zumindest schon einmal für Verwirrung sorgen – und die kann gegebenenfalls schützend wirken.

Mehr dazu in Blog und Buch der Autorin: www.generationmedien.de