Karadzic zynisch: „Ich sollte ausgezeichnet werden“

Der ehemalige Serbenführer Radovan Karadzic hielt am Dienstag seine erste Verteidigungsrede vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Der 67-jährige weist alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe von sich und sagte über sich selbst, er sei ein „toleranter Mensch“.

Der ehemalige politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, wird beschuldigt, während des Balkankonflikts der 90er-Jahre an einem Völkermord beteiligt gewesen zu sein und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Karadzic, der sich vor dem UN-Tribunal selbst verteidigt, sagte vor Gericht: „Ich habe alles getan, um einen Krieg zu verhindern. Statt hier als Angeklagter zu erscheinen, sollte ich ausgezeichnet werden.“ Der angeklagte ehemalige Serbenführer plant, im Rahmen seiner Verteidigung insgesamt 300 Zeugen aufzurufen. Die Anklage hatte ihre Beweisführung bereits im Mai abgeschlossen.

Karadzic streitet ab, für das Massaker in Srebrenica verantwortlich gewesen zu sein. Bei dem Massaker wurden während des Bosnienkrieges 1995 Schätzungen zufolge bis zu 8000 bosnische Muslime, vor allem Männer und Jungen zwischen 12 und 77 Jahren, von serbischen Streitkräften getötet und in Massengräbern verscharrt. Karadzic war von 1992 bis 1996 Präsident der auf dem Gebiet des heute unabhängigen Staates Bosnien-Herzegowina liegenden Republika Srpska.

1996 wurde ein internationaler Haftbefehl gegen ihn ausgestellt, da ihm vorgeworfen wurde, Befehlsgeber der serbischen Streitkräfte in Bosnien gewesen zu sein und somit direkte Verantwortung für die von diesen begangenen Gräueltaten zu tragen. Karadzic war 2008 nach 13 Jahren Flucht in Belgrad festgenommen worden, wo er sich jahrelang als Heilpraktiker ausgegeben hatte und unter falschem Namen sowie mit stark verändertem Äußerem versteckt gehalten hatte. Der Prozess gegen ihn vor dem UN-Tribunal in Den Haag hatte 2009 begonnen.