Mersin: Grausamer Mord an einer 20-jährigen Studentin

Özgecan Aslan: Kaltblütiger Mord löst Entsetzen in der Türkei aus

Özgecan Aslan verschwand am 11. Februar. Die 20-jährige Studentin wurde wenige Tage später gefunden: ermordet und schwer entstellt. Das grausame Verbrechen schockiert viele Menschen in der Türkei und darüber hinaus. (Foto: cihan)

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Özgecan Aslan verschwand am 11. Februar. Die Familie der Psychologiegiestudentin meldete sich am Mittwoch bei der türkischen Polizei und gab eine Vermisstenanzeige auf. Am Freitag dann wurde Özgecan schwer entstellter Leichnam in einem Flussbett in Tarsus in der südtürkischen Provinz Mersin gefunden. Mittlerweile steht fest, dass das junge Mädchen Opfer eines grausamen Gewaltverbrechen geworden ist.

Die Zeitung hürriyetdaily berichtet, dass die türkische Gendarmerie bereits am 12. Februar einen verdächtigen Minibus angehalten und darin Blutspuren und einen auffälligen Hut gefunden hatte. Als Özgecans Vater den Hut als den seiner Tochter wiedererkennte wurden die drei Insassen des Fahrzeugs festgenommen: Der 26-jährige Ahmet Suphi A., sein 50-jähriger Vater und ein weiterer 20-Jähriger. In der anschließenden Vernehmung durch die türkischen Sicherheitskräfte gestanden zwei der Verdächtigen den Mord an Özgecan. Die junge Studentin war den Aussagen der Männer zufolge die letzte Passagierin des Minibusses, dessen Fahrer der 26-jährige S. A. war. Dieser fuhr mit seinem letzten Fahrgast – seinem späteren Opfer – in eine abgelegene Gegend.

Daraufhin versuchte S. A. das junge Mädchen zu vergewaltigen. Dem Zeitungsbericht zufolge wehrte sich Özgecan jedoch und setzte Pfefferspray ein, um den Angreifer abzuwehren. S. A. stach dann mit einem Messer mehrmals auf Özgecan ein und erschlug sie anschließend mit einem Eisenrohr.

5.000 Personen in Mersin nehmen Abschied von Özgecan

Nach der Tat fuhr S. A. nach Hause, wo er seinen Vater und einen Freund um Hilfe bei der Beseitigung des Leichnams bat. Die beiden Männer willigten ein und versuchten zusammen mit S. A. die Leiche Özgecans zu verbrennen. Die Leiche des Mädchens wurde schließlich am 13. Februar gefunden, nachdem die drei Verdächtigen von der Gendarmerie angehalten und verhört wurden.

Eine enge Freundin von Özgecan, die noch am gleichen Tag mit ihr unterwegs war, wurde von der Polizei gebeten, die Leiche zu identifizieren. Dies sei jedoch nur anhand der Kleidung möglich gewesen, da der Leichnam auf Grund von Brandeinwirkungen stark entstellt war.

„Wir waren zusammen in der Schule bis Nachmittags, dann sind wir Shoppen gegangen, haben etwas gegessen und dann sind wir in einen Minibus eingestiegen, um nach Hause zu fahren“, erklärte die Freundin. „Ich bin in der Nähe von meinem Zuhause ausgestiegen und sie ist mit dem Minibus weitergefahren, um (auch) nach Hause zu kommen. Ich habe später erfahren, dass sie nie zu Hause angekommen ist und vermisst wird.“

Özgecan Aslan wurde am Samstag auf dem Akbelen Friedhof in Mersin beerdigt.  Ihr Sarg wurde von Frauen getragen.

Özgecan Aslan wurde am Samstag auf dem Akbelen Friedhof in Mersin beerdigt. Ihr Sarg wurde von Frauen getragen.

Özgecan Aslan wurde am Samstag auf dem Akbelen Friedhof in Mersin beerdigt. Ihr Sarg war zuvor in die alevitische Mersin Cemevi getragen worden, wo Angehörige und Freunde Abschied von ihr nahmen. Etwa 5.000 Personen nahmen an der Beerdigung teil. Ihr Sarg wurde von Frauen getragen.

#ÖzgecanAslan – Trauer und Wut nach dem Mord

Die Co-Vorsitzende der pro-kurdischen Halkların Demokratik Partisi (Demokratische Partei der Völker, HDP), Figen Yüksekdağ, teilte auf Twitter ein Foto auf dem sie ein Plakat mit der Aufschrift „Stop the murder of women, #ÖzgecanAslan“ hielt. Die Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehungs- und Wissenschaftspersonals (Eğitim-Sen) in Tarsus, Yasemin Yücel, erhob während des Marsches schwere Vorwürfe gegen die türkische Regierung: „Dieser Mord ist kein Einzelfall…jeden Tag werden in der Türkei fünf Frauen ermordet.“

Auch in Istanbul und in der zentralanatolischen Provinz Eskişehir kam es zu Solidaritätskundgebungen. Der Bildungsminister in der Türkei, Nabi Avcı, sagte, dass mangelnde Bildung zu den Hauptgründen für Gewalt gegen Frauen und Kinder zähle. Er erklärte außerdem, die Regierung sich bereits für Bildung in Bezug auf Geschlechtergleichheit einsetze, fügte aber gleichteitig hinzu: „Aber solche tragischen Vorfälle passieren, egal welche Maßnahmen man trifft.“

Auf Twitter bekundeten Tausende Menschen ihre Solidarität mit und ihr entsetzen über die grausame Tat. Der Hashtag #ÖzgecanAslan war am Samstag Nachmittag auf Platz zwei der weltweiten Hashtag-Trends. Etliche Twitter-Nutzer posteten sowohl Bilder des jungen Mädchens, ihrer Beerdigung als auch des Täters. Mehrere Accounts schrieben, dass S. A. ein bekennender türkischer Nationalist sei. Außerdem wurde die Vermutung laut, Özgecan sei vor ihrer Ermordung vergewaltigt worden. Die türkischen Sicherheitskräfte bestätigten diesen Vorwurf bislang jedoch nicht.