Erste Auswirkungen auf Minderheiten zeichnen sich ab

Rabbiner: Juden sollen Kiew verlassen

Die bedingungslose Unterstützung Berlins für jede Art von Opposition in der Ukraine - auch der ultrarechten - zeigt erste Früchte: Aus Furcht vor Gewalt bittet jetzt die jüdische Gemeinde in Kiew Israel um Sicherheit und Unterstützung. (Foto: reuters)

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Aus Furcht, im derzeitigen politischen Chaos der Ukraine zum Opfer zu werden, hat der ukrainische Rabbiner Moshe Reuven Azman die Juden von Kiew dazu aufgerufen, die Stadt und sogar das Land zu verlassen. Das berichtete die Tageszeitung „Maariv“ am vergangenen Freitag.

„Ich habe meiner Gemeinde empfohlen, das Stadtzentrum oder gleich die Stadt, besser noch das Land zu verlassen“, so Rabbiner Azman gegenüber „Maariv“. „Ich möchte das Schicksal nicht herausfordern, aber es gibt fortwährend Anzeichen dafür, dass jüdische Einrichtungen angegriffen werden könnten.“

Nach dem „Maariv“-Bericht ließ Azman bereits die Schulen der jüdischen Gemeinde schließen, hält jedoch dreimal täglich Gebete ab. Er sagte, die israelische Botschaft habe die jüdischen Gemeinde angewiesen, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Edward Dolinsky, Chef des Dachverbandes Ukrainischer Juden, beschreibt die Situation in Kiew als verheerend. Gegenüber „Maariv“ sagte er: „Wir haben Außenminister Avigdor Lieberman um Hilfe bei der Sicherung der Gemeinde gebeten.“

Minderheiten in Bedrängnis

Die Protestler hatten am Samstag die Kontrolle über das Stadtzentrum erlangt, nachdem ein vom Westen eingefädeltes Abkommen zwischen der Regierung und der Opposition unterschrieben wurde, das die seit drei Monaten anhaltende politische Krise im Land beenden soll.

Die Juden sind nicht die einzige Minderheit in der Ukraine, die im Zuge der politischen Destabilisierung des Landes einer ungewissen Zukunft entgegensieht. Die sunnitisch-muslimischen Krimtataren befürchten die Ausweitung der Gewalt auf die Halbinsel Krim, wo 300.000 ihrer Landsleute leben. Sie befürchten ethnische Konflikte, sollte sich die Krim von der Ukraine lösen und Russland den Status einer Schutzmacht übernehmen.