
Vor Weltklimakonferenz: Treibhausgasemissionen von Gastgeber Türkei steigen deutlich
Die Türkei richtet im November die COP31 aus. Ein Bericht bescheinigt dem Gastgeber jedoch nur eine durchwachsene Klimabilanz.
Die Türkei wird Ausrichter und Vorsitzland der diesjährigen Weltklimakonferenz COP31 in Antalya sein. Die Veranstaltung wird in der Zeit vom 9. bis 20. November stattfinden, es wird eine vierstellige Anzahl an Teilnehmenden erwartet. Den Vorsitz bei den Verhandlungen wird der australische Minister für Klimawandel und Energie, Chris Bowen, übernehmen.
Ein Bericht des Gemeinsamen Forschungszentrums der Europäischen Kommission (JRC), der auf Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) beruht, bescheinigt dem Gastgeber jedoch nur eine durchwachsene Klimabilanz. So seien die türkischen Treibhausgasemissionen im Vorjahr um 4,2 Prozent auf 610,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente gestiegen.
Klimabilanz der Türkei im Jahr 2025 wenig zufriedenstellend
Damit verzeichnet die Türkei den größten prozentualen Anstieg unter den 16 größten Emittenten – vor Vietnam (plus 2,7 Prozent), den USA (plus 2,2) und Kanada (plus 1,9). Insgesamt ist der weltweite Anstieg der Treibhausgas-Emissionen auf 0,7 Prozent zurückgegangen. Allerdings hat er trotzdem mit 54,1 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalenten einen neuen Höchstwert erreicht.
Von rund 226 Millionen Tonnen im Jahr 1990 hat sich dieser Wert in der Türkei bis 2025 auf 610,8 Millionen Tonnen vervielfacht – um das knapp 2,7-fache. So kamen allein zwischen 2024 und 2025 etwa 24,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente dazu. Die Emissionen an Treibhausgasen stiegen damit stärker an als das reale BIP selbst, das etwa um das 2,4-fach stieg.
In mehreren Bereichen gab es 2025 einen überdurchschnittlichen Zuwachs bei den Treibhausgas-Emissionen. Am höchsten war er bei den Gebäuden mit einem Plus von mehr als 8 Prozent auf rund 77 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Der Industrie-Brennstoffverbrauch stieg um etwa 5 Prozent auf 85,3 Mio. Tonnen. Auf 156,2 Millionen Tonnen (plus 4,5 Prozent) stieg der Ausstoß in der Strom- und Wärmeerzeugung. Im Verkehr war es ein Plus von 3,9 Prozent auf 105,2 Millionen. Industrielle Prozesse steigerten den Treibhausgasausstoß um etwa 3,8 Prozent.
Pro-Kopf-Emissionen über dem weltweiten Durchschnitt
Insgesamt entfiel mehr als ein Viertel der Gesamtemissionen auf die Strom- und Wärmeerzeugung. Danach kommen Verkehr (rund 17 Prozent), industrieller Brennstoffverbrauch (14 Prozent) und Gebäude (13 Prozent). Auch die Pro-Kopf-Emissionen stiegen im Vorjahr von 6,8 auf 7,1 Millionen Tonnen. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 6,6 Millionen.
Die Emissionsintensität der türkischen Wirtschaft hat sich 2025 um 0,5 Prozent verschlechtert. Allerdings war sie insgesamt zuvor von 0,33 Tonnen je 1.000 US-Dollar im Jahr 1990 auf 0,19 Tonnen im Vorjahr gesunken. Die türkische Wirtschaft verbuchte 2025 laut Bericht ein Plus von 3,6 Prozent – und wuchs damit weniger stark als die Emissionen.
International bleibt China der größte Verursacher von Emissionen – etwa 29,5 Prozent gehen von dort aus. Allerdings sind die von China emittierten Treibhausgase 2025 nur um 0,1 Prozent gestiegen. Die USA trugen mit 11,1 Prozent zu den weltweiten Emissionen bei. Sie hatten mit 131,5 Millionen Tonnen an CO₂-Äquivalenten den absolut größten Zuwachs. 62 Prozent der weltweiten Emissionen entfallen auf China, die USA, Indien, die EU, Russland und Indonesien zusammen.
Klimanetzwerk sieht Einsparungsziele der Türkei in Gefahr
Rückläufig war der Ausstoß von Treibhausgasen im Vorjahr in Indien (minus 0,2 Prozent), in der EU (minus 0,2 Prozent), in Japan (minus 1,4 Prozent), Brasilien (minus 0,9 Prozent) und Russland (minus 0,1). Auch in Australien gingen sie um 1,3 Prozent zurück (auf 578 Millionen Tonnen) – und damit hat der COP31-Leitungsstaat eine deutlich günstigere Bilanz als der Gastgeber.
Die Türkei will bis 2053 klimaneutral werden. Das Klimanetzwerk İklim Ağı sieht die steigenden Emissionen als Gefahr für dieses Ziel. Die Organisation fordert unter anderem einen zeitnahen Kohleausstieg, den Abbau von Subventionen für fossile Energieträger, einen stärkeren Ausbau erneuerbarer Energien und Maßnahmen für einen sozial verträglichen Strukturwandel.
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