
In Istanbul: Wüst trifft und ehrt Gündoğan
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat İlkay Gündoğan in Istanbul die Mevlüde-Genç-Medaille überreicht. Der frühere DFB-Kapitän wurde für sein gesellschaftliches Engagement geehrt.
Am Dienstag hat Ministerpräsident Hendrik Wüst im Rahmen seiner Reise in die Türkei die Mevlüde-Genç-Medaille des Landes Nordrhein-Westfalen überreicht. Als Preisträger hatte das Land bereits im Vorjahr den früheren Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft İlkay Gündoğan gekürt. Allerdings scheiterte eine persönliche Übergabe an Gündoğans damaligem Vereinswechsel. Der 1990 geborene Gelsenkirchener steht seit 2025 bei Galatasaray Istanbul unter Vertrag.
Nun konnte diese im Rahmen von Wüsts Türkei-Reise nachgeholt werden. Der Ministerpräsident und der Fußballer begegneten sich dazu in der Sommerresidenz der deutschen Botschafterin Sibylle Katharina Sorg in Istanbul.
Wüst würdigt Gündoğan als „Vorbild über den Sport hinaus“
Wüst würdigte nicht nur die sportlichen Leistungen Gündoğans, sondern bezeichnete ihn auch als „Vorbild weit über den Sport hinaus“. Er zeichnete den Weg des Enkels eines sogenannten Gastarbeiters, der unter Tage gearbeitet hatte, zum Kapitän des DFB-Teams der frühen 2020er nach. Gündoğan mache sichtbar, was aus der gemeinsamen Geschichte der Menschen in NRW geworden sei, so Wüst: „Er übernimmt Verantwortung für unsere Gesellschaft und nutzt seine Bekanntheit, um seine Stimme gegen Hass, Ausgrenzung und Rassismus zu erheben und für ein friedliches Miteinander einzutreten.“
Gündoğans Einsatz gelte der Versöhnung, der Toleranz und dem Willen, das Verbindende über das Trennende zu stellen. Damit verkörpere er exakt die Werte, die auch das Leben von Mevlüde Genç geprägt hätten.
Abseits von seiner Karriere als Profifußballer hatte sich Gündoğan gegen Fremdenhass positioniert und unterschiedliche Kampagnen und Initiativen gegen Rassismus unterstützt. Außerdem engagierte er sich in sozialen Projekten – unter anderem für solche aus dem Bereich der Flüchtlingshilfe, der Bildung von Kindern und Jugendlichen und dem interkulturellen Austausch.
Zu den öffentlich am stärksten wahrgenommenen Engagements Gündoğans gehört unter anderem die Patenschaft für die Bundesliga-Stiftung für Integrationsprojekte. Er versteigerte aber auch Fanpakete zugunsten der Opfer der Hochwasserkatastrophe in Deutschland sowie der zeitgleichen Waldbrände in der Türkei. Während der Corona-Pandemie spendete er Dankeschön-Pakete für Pflegerinnen und Pfleger.
Respekt vor Einsatz von Mevlüde Genç für Frieden und Versöhnung
Gündoğan äußerte sich auf dem Kurznachrichtendienst X zur Preisverleihung. Er schrieb: „Die Mevlüde-Genç-Medaille ist für mich kein gewöhnlicher Preis. Sie ist eine große Ehre – aber vor allem eine Verpflichtung.“
Mevlüde Genç hatte bei dem neonazistischen Brandanschlag am 29. Mai 1993 in Solingen zwei Töchter, zwei Enkelkinder und eine Nichte verloren. Gündoğan würdigte in seinem Text, wie die Frau selbst im Augenblick ihres größten Schmerzes zu Liebe, Menschlichkeit und Versöhnung statt Wut und Rache aufgerufen hatte.
Das gesellschaftliche Klima in Deutschland war in den frühen 1990er Jahren nach mehreren rechtsextremen Ausschreitungen, die teilweise Todesopfer forderten, vergiftet. Manche Einwanderer dachten in dieser Situation daran, sich selbst zu bewaffnen und zurückzuschlagen oder auszuwandern. Genç hatte mit ihrer öffentlichen Botschaft einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, den sozialen Frieden aufrechtzuerhalten.
Gündoğan machte deutlich, dass die Reaktion der damals 50-jährigen mehrfachen Mutter und Großmutter auch ihn persönlich stets geprägt habe: „Ihre Haltung erinnert uns daran, dass Hass niemals die Antwort sein kann. Für mich ist diese Auszeichnung auch persönlich besonders bedeutend.“
Mevlüde Genç starb im Oktober 2022. Die Landesregierung von NRW hatte ihr zu Ehren im Jahr 2018 die Medaille ins Leben gerufen. Sie geht an Menschen oder Gruppen, die sich für Verständigung und Toleranz einsetzen und zu einem friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft beitragen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer und der im interreligiösen Dialog engagierte Pfarrer Franz Meurer.
Gündoğan betont funktionierendes Miteinander in NRW
In seinem X-Beitrag bedankte sich Gündoğan für die Ehrung. Er verwies auf seine Anfänge in Gelsenkirchen und in NRW. Der frühere DFB-Kapitän schilderte, wie er erlebt habe, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft in dem Bundesland „ganz selbstverständlich Seite an Seite leben und arbeiten können“. Diese Werte wolle er nun auch an die nächste Generation und junge Menschen weitergeben, die ihren Weg gingen.
Entscheidend seien dabei Bildung, Empathie und die Bereitschaft, andere Perspektiven zu verstehen. An seine Follower richtete Gündoğan folgende Worte: „Miteinander ist immer stärker als Spaltung!“
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