
Türkische Börse unter Druck: Anleger ziehen Milliarden ab
Die Fondsaffäre in der Türkei belastet den Kapitalmarkt. Im September schrumpften die Aktienportfolios um 23, das Fondsvermögen ausländischer Anleger sogar um rund 54 Prozent.
Die Fondsaffäre in der Türkei beginnt das Vertrauen in den Finanzplatz zu beeinträchtigen. So mussten Investmentfonds und Aktien an den türkischen Börsen im September erhebliche Verluste hinnehmen. Wie „Cumhuriyet“ unter Berufung auf die Zentralverwahrstelle MKK berichtet, zogen sich zehntausende Anleger, darunter auch Großinvestoren, aus der Türkei zurück. Sie ließen den Wert ihrer Aktienportfolios vollständig auf null sinken.
Fonds- und Aktienvermögen brechen ein
Das gesamte Volumen in der Türkei notierter Investmentfonds sank im September um 1,17 Billionen auf 9,26 Billionen Türkischer Lira (TL). Das entspricht einem Rückgang von 11,23 Prozent. Das Gesamtvolumen aller Aktienportfolios fiel um 2,17 Billionen oder 22,83 Prozent auf 7,34 Billionen TL.
Den Zahlen zufolge haben die Anleger insgesamt 50.234 zusätzliche Aktiendepots auf einen Restbestand von maximal einer TL reduziert – also ihr Aktienbestände faktisch vollständig abgebaut. Das verwaltete Vermögen von Aktienportfolios ab zehn Millionen Lira – also von Großanlegern – sank um 23,57 Prozent auf etwa 6,3 Billionen TL.
Das Fondsvermögen ausländischer Anleger schrumpfte gar um 54 Prozent. Anfang September hatte es sich noch auf 532,6 Milliarden TL summiert. Zum Ende des Monats hatten sich die Bestände auf etwa 245 Milliarden TL reduziert.
Ausländisches Fondsvermögen sinkt um rund 54 Prozent
Besonders auffällig ist dabei, dass auch die Zahl der Anleger selbst deutlich gesunken ist. Unter jenen mit Portfoliowerten zwischen fünf und zehn Millionen Lira ging sie um 24,47 Prozent zurück. Es war ein Rückzug vom türkischen Aktienmarkt in einem Umfang zu beobachten, der sogar die Vergleichswerte aus früheren politischen Krisen und der Kriegsphase seit Ende Februar übertroffen habe.
Auch ausländisches Kapital zog sich zurück – wobei neben dem Vertrauensverlust infolge der Fondsaffäre auch eine zehnprozentige Quellensteuer auf bestimmte Geldmarktfonds eine Rolle gespielt haben konnte.
Die Daten dokumentieren einen massiven Rückgang der ausgewiesenen Portfoliovermögen und einen erheblichen Rückzug von Anlegern im September. Allerdings muss nicht jeder Vermögensverlust gleichbedeutend sein mit einem Kapitalabfluss. Auch sinkende Kurse können den Wert bestehender Portfolios ebenfalls deutlich reduzieren.
Aufsicht ordnete Liquidation von 131 Fonds an
Die türkische Kapitalmarktaufsicht (SPK) hatte in der letzten Septemberwoche angeordnet, insgesamt 131 Fonds zu schließen und zu liquidieren. Betrieben wurden sie von sieben Portfolioverwaltungsgesellschaften.
Nach Angaben des zentralen Wertpapierregisters halten rund 455.758 Privatanleger Anteile an den betroffenen Fonds. Ihr Gesamtvolumen beläuft sich auf etwa 891 Milliarden TL, umgerechnet 16,4 Milliarden Euro. Die Anordnung löste an der Börse Panikverkäufe aus; der türkische Leitindex verlor im Wochenverlauf mehr als 8 Prozent.
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