
Fondsaffäre in der Türkei erreicht Diyanet: Was passierte mit Zakatgeldern?
Die türkische Diyanet-Stiftung soll Spendengelder, darunter Mittel für Palästina, in verlustreiche Fonds investiert haben. Berichte sprechen von einem Minus von fast 50 Prozent.
Die Fondsaffäre in der Türkei macht mittlerweile auch vor religiösen Institutionen nicht halt. Nach einem Bericht der Zeitung „Sözcü“ steht die Stiftung der staatlichen türkischen Religionsbehörde, die Türkiye Diyanet Vakfı (TDV), wegen ihrer Anlagepolitik in der Kritik.
Sie soll Geldmittel, die für die Almosenpflicht Zakat oder darüberhinausgehende Spenden gedacht gewesen seien, in zuletzt stark verlustträchtigen Investmentfonds angelegt haben. Ein erheblicher Teil davon soll für Palästina-bezogene Projekte gedacht gewesen sein.
Diyanet-Stiftung soll Spendengelder in Fonds angelegt haben – um der Inflation zu entkommen
Als sich die ersten Hinweise in Bezug auf die Fondsaffäre verdichteten, soll Diyanet-Präsident Safi Arpaguş den Rückzug aus den betroffenen Vermögensmassen angeordnet haben. Dabei soll ein Verlust von 48 Prozent entstanden sein. Berichten zufolge konnte die Stiftung zudem nur die Hälfte des angelegten Geldes flüssig machen. Der Rest sei weiterhin im Fonds gebunden.
Aus der Stiftung hieß es dazu, man habe das Geld auf Anraten der Generaldirektion für Stiftungen in dieser Weise angelegt. Dies solle die Spendengelder vor der Inflation schützen. Diyanet-Vertreter bestreiten, dass tatsächliche Verluste entstanden seien. Allerdings hat die Zahl der Anteile im betroffenen Fonds den Recherchen zufolge deutlich abgenommen.
Vor allem hatte der Hohe Rat für Religionsangelegenheiten der Diyanet 2022 ausdrücklich erklärt, es sei unzulässig, Zakatgelder vor deren Auszahlung an die Berechtigten gewinnbringend anzulegen. Eine ausführliche Erklärung der Diyanet-Stiftung zur tatsächlichen Schadenshöhe und zum Verbleib der gebundenen Gelder steht bislang aus.
Zweckbindung der Zakatgelder wirft religiöse Fragen auf
Weiteren Berichten von „Cumhuriyet“ und „Sözcü“ zufolge waren die Geldmittel in türkischen Investmentfonds investiert. Dabei habe man sich jedoch auf ein Marktsegment gesetzt, das im September 2026 besonders stark von der Fonds- und Liquiditätskrise betroffen war. Eine unabhängige Bestätigung dahingehend, ob ein tatsächlicher Verlust dieser Zweckspenden eingetreten sei, gibt es noch nicht.
Die Zahl der gehaltenen Anteile sank den veröffentlichten Portfoliodaten zufolge von rund 1,228 Milliarden am 31. August auf rund 638 Millionen am 29. September 2026. Einer Erklärung der TDV vom 9. Oktober zufolge hat die Diyanet-Stiftung keinerlei finanzielle Mittel in Fondsgesellschaften investiert, die von einer Schließung oder Liquidation betroffen waren.
Die türkische Kapitalmarktaufsicht hatte im September die Liquidation von 131 Fonds von sieben Anbietern angeordnet. Medien zufolge seien rund 455.000 Anleger und Assets im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich von der Maßnahme betroffen. Nach den gesetzlichen und statutarischen Richtlinien muss die Diyanet-Stiftung eine befristete Finanzanlage zulässig, risikoadäquat und transparent anlegen – unter Beachtung des Zinsverbots. Die Stiftung erklärt, dieses beachtet zu haben. Man müsse kurzfristig nicht benötigte liquide Mittel aufgrund der geltenden Regeln jedoch auch „effizient“ anlegen.
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