
Heftige Tumulte: Istanbul-Derby eskaliert mal wieder nach Abpfiff
Nach Galatasarays 2:1-Sieg gegen Fenerbahçe gehen Spieler aufeinander los, die Polizei muss eingreifen. Was die beiden türkischen Fußball-Clubs sich danach vorwerfen.
Das türkische Fußball-Derby zwischen Galatasaray und Fenerbahçe Istanbul ist nach dem Schlusspfiff am Montagabend von heftigen Tumulten überschattet worden. Unmittelbar nach dem 2:1-Sieg von Galatasaray, den Starstürmer Victor Osimhen mit einem Doppelpack besiegelte, gingen Spieler beider Mannschaften auf dem Rasen aufeinander los. Polizei und Sicherheitskräfte mussten eingreifen, um die Auseinandersetzungen zu beenden.
Auslöser der Rudelbildung war offenbar ein Streit zwischen Fenerbahçes Kerem Aktürkoğlu, der einst für Galatasaray auflief, und dem Ex-Freiburger Roland Sallai. Immer mehr Spieler und Betreuer mischten sich ein. Besonders heftig gerieten Galatasarays Abdülkerim Bardakçı und Fenerbahçes Archie Brown aneinander.
Im Verlauf der Auseinandersetzung gingen beide zu Boden. Schiedsrichter Atilla Karaoğlan zeigte ihnen anschließend die Rote Karte. Aktürkoğlu und Sallai kamen mit jeweils Gelb davon.
"Sie ziehen an den Haaren und kratzen wie Frauen"
Nach den Tumulten machten sich die Beteiligten gegenseitig Vorwürfe. "Wenn Sie sich das Video ansehen, werden Sie sehen, wer zuerst angegriffen hat", sagte Bardakçı. Brown machte hingegen die Spieler von Galatasaray für die Eskalation verantwortlich. "Ihr Kapitän hat Matteo Guendouzi an den Haaren gezogen. Ich habe das gesehen und ihn verteidigt", sagte der Engländer und ergänzte in einem frauenfeindlichen Unterton: "Sie ziehen an den Haaren und kratzen wie Frauen."
Das Sportliche rückte in den Hintergrund. Galatasaray festigte mit dem Erfolg die Tabellenführung in der türkischen Süper Lig. DFB-Profi Leroy Sané wurde in der 80. Minute eingewechselt und blieb unauffällig, während İlkay Gündoğan über die gesamte Distanz auf der Bank blieb. Beide haben am Bosporus einen schweren Stand. Nach neun Spieltagen hat Galatasaray 22 Punkte auf dem Konto und liegt damit sechs Zähler vor dem Erzrivalen, der auf Platz fünf rangiert. Überraschungszweiter ist Aufsteiger Amedspor.
Fenerbahçe mit Statement
"Fener" verurteilte am Dienstag die Vorfälle und sprach von "verbalen und körperlichen Angriffen auf seine Spieler". Das Geschehene sei "inakzeptabel" und nicht mit der "üblichen Anspannung rund ums emotionsgeladene Derby" zu rechtfertigen. Der Verein fordert eine lückenlose Aufklärung und konsequente Disziplinarmaßnahmen gegen alle Verantwortlichen, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit.
Mit dem Schlusssatz "Das Ziel, Gewalt im türkischen Fußball zu verhindern, kann nur dann gelingen, wenn die Verantwortlichen nicht ungestraft davonkommen" endet das Statement.
dpa/dtj
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