Nukleare Energie im Fokus: Der Blick aus dem Kühlturm eines Kernkraftwerks. Foto: Jakob Madsen / Unsplash
Deutschland ist nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima aus der Atomkraft ausgestiegen. Indes setzt die Türkei auf Atomenergie – und forciert die Fertigstellung der ersten Kernkraftwerke. Aus Ankaras Sicht gibt es dafür gute Gründe.

Deutschland steigt aus der Atomkraft aus. Bis Ende des Jahres 2021 soll das Nuklearzeitalter der Bundesrepublik beendet sein. Staaten rund um den Globus setzen indes weiter auf die umstrittene Energiegewinnungstechnik mittels Kernspaltung. Dazu zählen neben alten Atommächten wie den USA, Russland, Großbritannien und Frankreich auch Staaten wie China und Indien.

Die Türkei steigt sogar neu in die Nukleartechnologie ein. Das Land errichtet aktuell gleich zwei Atomkraftwerke (AKW), eines in Akkuyu in der Provinz Mersin und eines in Sinop am Schwarzen Meer. Ein weiteres Kraftwerk soll voraussichtlich im türkischen Teil von Thrakien gebaut werden.

Kernkraftwerk Akkuyu komplett von Russland finanziert

Pünktlich und allerspätestens zum Jubiläumsjahr 2023 soll das erste AKW ans Netz gehen. Akkuyu soll dann circa zehn Prozent des türkischen Strombedarfs decken – ohne den Ausstoß von Treibhausgasen. Kernenergie sei umweltfreundlich, schwärmt Recep Tayyip Erdoğan. Akkuyu wird vollständig von Russland finanziert. Aus der Russischen Föderation kommt auch die komplette nukleare Technologie.

Dass der mächtige türkische Präsident das Jubiläumsjahr mit dem Eintritt ins Atomzeitalter seiner Nation verknüpft, kann gefährlich werden. Schließlich sollte das Thema Reaktorsicherheit nicht unter Zeitdruck betrachtet werden.

Wie unabhängig ist die Nuklearaufsicht?

Überdies muss diese hochgradig technologische Aufgabenstellung von einer kompetenten und unabhängigen Aufsichtsbehörde übernommen werden. Wie unabhängig eine so strategische wichtige Technologie in der Türkei betrachtet werden kann, ist aufgrund von Erdoğans Allmacht im türkischen Präsidialsystem fraglich.

Das AKW Akkuyu selbst soll indes von einem russischen Staatsunternehmen betrieben werden. Ankara bindet sich dadurch noch enger an Moskau. Für die Türkei ist das als NATO-Partner zumindest ein Interessenskonflikt. Zumal Russland ohnehin bereits der Hauptlieferant für Gas in der Türkei ist.

„Renaissance der Atomkraft“

Dennoch ist die Türkei mit seinem Interesse für Atomkraft nicht allein. Rund um den Globus hegen Staaten atomare Ambitionen und errichten neue AKWs. Experten sprechen bereits von einer Renaissance der Atomkraft“.

China zum Beispiel plant mit der Atomkraft seine klimaschädlichen Kohlekraftwerke langfristig zu ersetzen. Das Land brachte gerade eines der modernsten AKW weltweit ans Netz. Weitere sollen bald folgen.