Ausländische Offiziersanwärter schätzen türkische Militärakademie

Die Anzahl der ausländischen Studenten, welche an der Türkischen Militärakademie (Kara Harp Okulu) ausgebildet werden, ist in den letzten Jahren gestiegen. Dabei bilden junge Kadetten aus Aserbaidschan die am stärksten vertretene Gruppe. Im nächsten Jahr werden sich auch Schulabgänger aus der Mongolei, Libyen und Somalia an der Akademie anmelden können.

Während in den Jahren 2009-2010 die Anzahl der ausländischen Studenten an der Militärakademie noch 87 betragen hatte, werden heute bereits 195 angehende Offiziere aus 14 Staaten ausgebildet. Die Länder Gambia, Moldawien und Kosovo hatten im letzten akademischen Jahr erstmals Nachwuchs an die Militärakademie geschickt.

Damit ist die Zahl der Länder, deren Kadetten an der Militärakademie ausgebildet werden, weiter angewachsen. Neben den zum ersten Mal vertretenen Herkunftsstaaten studierten zuvor schon junge Menschen aus Afghanistan, Albanien, Aserbaidschan, Bosnien, Georgien, Kasachstan, Kirgisien, Südkorea, Türkische Republik Nordzypern, Turkmenistan und Jordanien an der renommierten Einrichtung. Das zunehmende Interesse ausländischer Staaten an der Militärakademie deutet darauf hin, dass diese immer mehr als eine der ersten Adressen unter den internationalen Akademien, welche Offiziere ausbilden, angesehen wird.

Um zu einer in dieser Weise angesehenen Marke unter den Schulen zu werden, muss man die bestmögliche Bildung anbieten können. Mit diesem Ziel wurde ab dem Studienjahr 2012-2013 der Betrieb der Militärakademie in ein System von Multi-Studiengängen umgewandelt. In diesem Rahmen werden die Studenten künftig zusätzlich zum Militärdiplom auch akademische Abschlüsse in den Bereichen Industrie-und Anlagebau, öffentliche Verwaltung, Betriebswirtschaft, Maschinenbau, Bauwesen, Elektrotechnik, internationale Beziehungen, Informatik, Ingenieurswissenschaften, Soziologie und Vermessungstechnik auf der Bachelor-Ebene machen können. Der größte Teil der ausländischen Studentenschaft besteht aus ehemaligen Schülern aus Aserbaidschan, die in der Türkei bereits ein militärisches Gymnasium besucht haben. Die ausländischen Studenten, welche die Akademie besuchen, lernen zunächst einmal ein Jahr lang die türkische Sprache, danach nehmen sie gemeinsam mit den türkischen Kommilitonen zusammen am Unterricht teil.

Es ist erlaubt, in den Prüfungen ein Türkisch-Wörterbuch zu benutzen

Die ausländischen Studenten scheinen mit der Bildung sehr zufrieden zu sein. „Dass wir hier mit Kameraden aus anderen Ländern zusammen sind, verleiht uns zunächst einmal eine multikulturelle Perspektive“, sagt ein ausländischer Student aus dem Abschlussjahr. Er fügt hinzu, dass er sich nach seinen vier Jahren an der Militärakademie besser in der Lage sieht, die Entwicklungen auf der Welt nicht nur aus militärischer Perspektive, sondern auch aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Perspektiven betrachten und bewerten zu können.

Der Tag an der Akademie, welche Offiziere für die türkischen Landstreitkräfte ausbildet, fängt früh an. Die Kadetten wachen um 06:00 Uhr auf, die erste Stunde fängt um 08:00 Uhr an. An einem Tag haben die Studenten im Durchschnitt fünf bis sechs Unterrichtseinheiten. Da sie mit den türkischen Offiziersanwärtern zusammen auch in der Praxis üben, bereitet es den ausländischen Kameraden keine großen Schwierigkeiten, dass der Unterricht auf Türkisch stattfindet. „Ich kann dem Unterricht im Allgemeinen gut folgen“, so ein ausländischer Kadett aus dem zweiten Jahr. Dennoch gibt es für die ausländischen Offiziersanwärter – um die Sprachbarriere zu überbrücken – während der sechzigminütigen Prüfungen eine Verlängerungsmöglichkeit von zehn und während der neunzigminütigen eine von fünfzehn Minuten. Den ausländischen Kadetten ist es erlaubt, während der Prüfungen ein Türkisch-Wörterbuch zu benutzen.

Damit die ausländischen Studenten sich an der Akademie besser zurechtfinden können, wir jedem von ihnen im ersten Schuljahr ein türkischer Kommilitone aus der vierten Klasse als Tutor zugewiesen. Dieses System ist für das Türkischlernen der ausländischen Offiziersanwärter sehr hilfreich. „Als ich das erste Mal in die Türkei gekommen bin, konnte ich nicht so gut Türkisch sprechen. Doch mit der Hilfe der Kollegen, die für uns verantwortlich sind, habe ich meine Türkischkenntnisse auf ein gutes Niveau gebracht“, teilt ein ausländischer Kadett aus dem dritten Jahrgang mit.

Neben den Unterrichtseinheiten erhalten die Offiziersschüler während des akademischen Jahres auch halbtäglich eine militärische Ausbildung. Wenn die Universitäten in die Sommerferien übergehen, nehmen die Kadetten des zweiten und dritten Jahrgangs der Militärakademie an einem sechswöchigen Militärcamp in der Campregion der Akademie in Izmir-Menteş teil. Im Lager, in dem eine ganztägige Ausbildung stattfindet, übernachtet der Offiziersnachwuchs im Zelt. Ein ausländischer Seniorstudent, der bereits drei Mal am Menteş-Camp teilgenommen hat, berichtet: „Die militärische Ausbildung, die wir unter authentischen Geländebedingungen erhalten, gibt uns eine Stärkung des Körpers sowie des Selbstvertrauens.“ Während die Kadetten des dritten Jahrgangs in Menteş eine Ausbildung für vier Wochen erhalten, absolvieren jene des vierten gleichzeitig ein Praktikum in militärischen Einheiten.

In diesem Jahr werden 23 Kadetten zu Offizieren

Die Jahrgangsklassen bestehen durchschnittlich aus 25 Studenten. Die Stationen, in denen jeder der Offiziersanwärter seinen Arbeitstisch hat, werden jeweils von 3-6 Kadetten betreut. Am Ende dieses Schuljahres werden 23 ausländische Offiziersanwärter, welche derzeit noch im vierten Jahrgang studieren, ihre Ausbildung beenden. Die ausländischen Kadetten werden außerdem für die Stärkung der Bindung zwischen ihren Heimatländern und der Türkei sowie für die Beziehungen zwischen den Völkern einen großen Beitrag leisten. Ein ausländischer Kadett aus der dritten Jahrgangsklasse meint dazu: „Ich bin davon überzeugt, dass während meines Aufenthalts hier mein Respekt gegenüber der Türkei und den Menschen gestiegen ist. Mit der Zeit werden unsere Bindungen der Brüderlichkeit mit der Türkei noch mehr gestärkt werden.“