04.12.2020, Bangladesch, Chittagong: Rohingya-Flüchtlinge sitzen an Bord eines Schiffes, während sie auf eine Insel gebracht werden. Bangladesch hat begonnen, diese Woche Hunderte Rohingya-Flüchtlinge auf eine Insel zu bringen, die nach Angaben mehrerer Hilfsorganisationen während der Monsunsaison heftigen Stürmen und Überflutungen ausgesetzt ist. Insgesamt will die Regierung nach eigenen Angaben 100 000 Rohingya aus überfüllten Flüchtlingslagern auf dem Festland auf die knapp 40 Kilometer entfernte Insel schicken. Foto: Saleh Noman/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Etwa 1600 Rohingya-Flüchtlinge sind von Bangladesch auf eine überschwemmungsgefährdete Insel im Golf von Bengalen umgesiedelt worden.

Als Teil eines von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisierten Umsiedlungsprogramms kamen die Flüchtlinge, darunter 810 Kinder, auf Marineschiffen am Freitag auf der Insel Bhashan Char an, wie ein Mitarbeiter der örtlichen Verwaltung bestätigte.

Die Insel ist nach Angaben von Hilfsorganisationen während der Monsunsaison heftigen Stürmen und Überflutungen ausgesetzt. Insgesamt will die Regierung 100.000 Rohingya aus überfüllten Flüchtlingslagern auf dem Festland auf die Insel schicken, wo Unterkünfte eingerichtet wurden.

Amnesty fordert Stopp

Die Hilfsorganisation Amnesty International hatte am Donnerstag gefordert, die Überführungen sofort zu stoppen. Zurzeit sei keine unabhängige Beobachtung der Lage vor Ort möglich, da Hilfsorganisationen die Insel nur mit vorheriger Erlaubnis betreten dürften. Nach Angaben der Regierung ist die Umsiedlung notwendig, um die Flüchtlingslager auf dem Festland zu entlasten. Man habe Millionen in die Infrastruktur der Insel investiert und dort unter anderem Unterkünfte, Krankenhäuser und Dämme gebaut.

In Bangladesch leben etwa eine Millionen Rohingya in Camps. Die meisten sind 2017 vor Verfolgung und Militärgewalt in dem Nachbarland Myanmar (früher Birma) geflohen und sind staatenlos. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Verfolgung der muslimischen Minderheit dort als anhaltenden Völkermord. Viele Rohingya verloren durch ein 1983 erlassenes Gesetz die Staatsbürgerschaft. Das Militär von Myanmar und die Regierung unter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi stehen wegen der Verfolgung international in der Kritik. Etliche Rohingya wollen in ihre Heimat zurückkehren. Aber die Verhandlungen der Vereinten Nationen mit Myanmar verlaufen schleppend.

dpa