Athen: Nikos Dendias (r), Außenminister von Griechenland, und Mevlüt Çavuşoğlu, Außenminister der Türkei, sprechen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Der Besuch Çavuşoğlus gilt als weiterer Schritt in den Bemühungen, den Gesprächsfaden zwischen den beiden zerstrittenen Nachbarländern nicht abreißen zu lassen. Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa

Es gab Küsschen, Umarmungen und ein handfestes Ergebnis: Die Außenminister von Ankara und Athen haben vereinbart, dass sich ihre Regierungschefs treffen.

Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan werden sich am Rande des Nato-Gipfels (14. Juni) in Brüssel treffen. Das ist das Ergebnis eines Besuchs des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu bei seinem Amtskollegen Nikos Dendias am Montag in Athen. Die zerstrittenen Nachbarstaaten sind damit in ihren Annäherungsversuchen einen guten Schritt weitergekommen – nicht zuletzt, weil sich die beiden Minister sichtlich gut verstehen. So gab es zur Begrüßung Küsschen und Umarmung sowie einen Spaziergang durch Athen.

„Uns ist voll und ganz bewusst, dass unsere Auffassungen sehr unterschiedlich sind – ausgerechnet bei besonders wichtigen Themen stehen sich die Meinungen sogar diametral gegenüber“, sagte Dendias nach dem Treffen mit Çavuşoğlu. Doch man wolle eine schrittweise Normalisierung der Situation herbeiführen. Es sei ein 25-Punkte-Plan zur verstärkten wirtschaftlichen Zusammenarbeit festgelegt worden. Außerdem werden die beiden Länder künftig ihre Corona-Impfzertifikate und -Tests anerkennen, damit die Bürger sich besuchen können.

Nach den Staatschefs treffen sich die Experten

Çavuşoğlu sendete die positiven Signale zum besseren Miteinander zurück: „Ich möchte sagen, dass wir als Türkei den notwendigen Willen dafür besitzen, und ich bin froh, denselben Willen auch in Griechenland zu sehen.“ Der politische und militärische Dialog werde fortgesetzt. So sei eine weitere Expertenrunde beider Länder geplant – es wäre die dritte in diesem Jahr. Die Treffen hinter verschlossener Tür haben die Funktion eines Ventils, sollte die Situation zwischen den Nachbarn im Mittelmeer erneut eskalieren. Im vergangenen Jahr standen die beiden Länder wegen des Streits um Erdgasvorkommen in der Region kurz vor einem militärischen Konflikt.

Beide haben jedoch Interesse an Frieden in der Region. „Wir wollen, dass all diese Probleme und Meinungsverschiedenheiten auf Basis einer guten Nachbarschaft, des internationalen Rechts und mit Respekt gegenüber gegenseitigen Rechten und Interessen gelöst werden“, betonte Çavuşoğlu.

dpa/dtj