Im Fokus: der Impfstoff gegen das Corona-Virus. Foto: Hakan Nural / Unsplash

Spät gestartet, schnell durchgezogen: In der Türkei wurden bereits mehr Menschen gegen das Corona-Virus geimpft als in Deutschland. Was steckt hinter der effektiven CoVid-Impfkampagne in der Türkei?

Die Impfstrategie der Türkei scheint aufzugehen: Mithilfe des chinesischen Impfstoffs „CoronaVac“ zieht das Land, was Geimpfte angeht, an Deutschland vorbei. Zu Beginn der Woche (Montag, 15. Februar 2021) waren bereits 4,6 Millionen Türk:innen mindestens einmal geimpft worden. Die 5-Millionen-Grenze dürfte in Kürze überschritten werden.

Zum Vergleich: In Deutschland sind es bislang lediglich rund 3,5 Millionen Bürger:innen. Und das, obwohl die Türkei eine Woche später mit dem Impfen begann.

Warum das so ist? Die Strategie der Türkei ist effektiv. Mithilfe einer Mobilfunk-App haben türkische Ärzt:innen Zugriff auf die Zentraldatenbank des nationalen Gesundheitssystem. Jeder amtlich gemeldete Bürger ist dort mit seiner Personalausweisnummer und seiner Krankenhistorie verzeichnet. Was die Digitalisierung angeht, ist das türkische Gesundheitssystem viel weiter entwickelt als manch eins in der EU.

Kampf gegen Corona in der Türkei voll digital

Impftermine können sowohl telefonisch als auch online ausgemacht werden. Vollständig digitalisiert kämpft die Türkei gegen das Corona-Virus. In der EU und in Deutschland wäre das schon aus Datenschutzgründen rein rechtlich nicht möglich.

Das Land verfügt über eine sehr gute Gesundheitsinfrastruktur. Hinzu kommt: Ankara setzt, was den Impfstoff angeht, voll auf die Hilfe aus Fernost. 100 Millionen Dosen „CoronaVac“ des chinesischen Pharmakonzerns „SinoVac“ hat die Türkei geordert. Mehr als 15 Millionen sind bereits im Land angekommen.

Biontech und „Sputnik V“ ebenfalls im Rennen

Weil sich die Türkei aber nicht von einem Lieferanten abhängig machen wollte, bestehen ebenfalls staatliche Lieferverträge mit Pfizer/Biontech. Außerdem hat die AKP-Regierung bereits in Aussicht gestellt, dass der russische Wirkstoff „Sputnik V“ nach der Zulassung auch eine Lizenz in der Türkei bekommen wird.