Es ist wieder soweit. Die Pilgerfahrt (arabisch Hadsch) der Muslime nach Mekka und Medina, in die heiligen Stätten des Islam in Saudi-Arabien, steht bevor. Etwa vier Wochen vor dem „Fest der Annäherung“ – eher bekannt als Opferfest oder Eid al-Adha – bereiten sich knapp drei Millionen Muslime aus aller Welt auf die Wallfahrt vor, die auf den Propheten Abraham zurückgeht.

Vorbereitungen und Begeisterung sind seit Monaten zu beobachten, schließlich steht der Höhepunkt des religiösen Lebens für die anstehenden Pilger bevor. Denn die Hadsch ist im Gegensatz zu anderen Geboten eine Pflicht, die jeder erwachsene Muslim nur ein Mal im Leben zu erfüllen hat.

Die ersten Pilgergruppen brechen in diesen Tagen mit Neugier darüber, was sie in den Geburtsstätten des Islam erwartet, auf.

Was aber ist eigentlich die Hadsch und für wen ist sie Pflicht? Welche Orte werden besucht und welche Regeln muss ein Pilger einhalten, damit er nach der Rückkehr in die Heimat als „Hadschi“ angesprochen wird?

Was bedeutet die Pilgerfahrt?

Gemäß der islamischen Rechtslehre wird die Hadsch als ein religiöses Gebet der Muslime definiert, das zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort und nach bestimmten Regeln in festgelegter Form ausgeführt werden muss.

Aus soziologischer Sicht spielt die Hadsch eine wichtige Rolle, weil hier Millionen von Muslimen aus den verschiedensten Ländern zusammenkommen und somit die Möglichkeit haben, sich näher kennenzulernen. Zudem gibt diese lange Reise jedem Gläubigen die Gelegenheit, sich zu hinterfragen und seinem Leben eine neue Richtung zu geben.

Ist die Hadsch ein verbindliches Gebot oder ist es jedem selbst überlassen, ob er die Pilgerreise antritt oder nicht?

Die Pilgerfahrt ist eine Form des verbindlichen Gottesdienstes. Sie gehört zu den sogenannten fünf Säulen des Islam – also zu den Hauptpflichten, die ein Muslim einzuhalten hat. Diese Hauptpflichten sind im Koran, der Hauptquelle des Islam, unmissverständlich formuliert. Über die Pilgerfahrt heißt es: „Und verkündige den Menschen die Pilgerfahrt. Lass sie zu dir kommen zu Fuß und auf allen schlanken (Kamelen) ankommend aus allen tiefen Talwegen.“ (Al-Hadsch, 27).

Wer ist zur Hadsch verpflichtet?

Allgemein gilt: jeder Muslim, Frau wie Mann, ist dazu verpflichtet, zu vorgesehener Zeit einmal im Leben die Pilgerfahrt zu vollziehen. Ausgenommen sind Menschen, die geistig nicht zurechnungsfähig sind, die die Pubertät noch nicht erreicht haben, gesundheitlich nicht in der Lage sind und solche, die nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen.

Was ist verpflichtend bei der Hadsch?

1) Waqfa: Der Aufenthalt am Berge Arafat am Mittag des Tages vor dem Opferfest.

2) Tawaf: Das siebenmalige Umkreisen der Kaaba am ersten Tag des Eid-al-Adha.

3) Ihram: Der Eintritt in einen gesegneten Zeitabschnitt oder in ein gesegnetes Gebiet unter anderem durch das Anlegen der weißen Pilgerkleidung.

An welchen Orten wird die Hadsch verrichtet?

Nach islamischer Auffassung gibt es drei Orte auf der Welt, die Ziel einer Pilgerreise sein können: Jerusalem, Medina und Mekka. Für die jährliche Pilgerfahrt ist der zentrale Ort Mekka, die Stadt, in der der Prophet Muhammad im Jahre 571 auf die Welt kam. Genauer gesagt wird die Pilgerpflicht im Masjid al-Haram (Gebäudekomplex um die Kaaba) und am Berg Arafat, der 20 Kilometer nördlich von Mekka liegt, vollzogen. Stationen der Wallfahrt sind Marwa und Safa, Mina, Muzdalifa und nach Mekka auch Medina, der zweitwichtigste Wirkungsort des Propheten Muhammad, wo sich auch sein Grab befindet. Der Besuch von Medina ist allerdings keine zwingende Pflicht.

Wann oder in welcher Zeitspanne muss die Hadsch verrichtet werden?

Wie für alle anderen Pflichten im Islam gibt es auch für die Pilgerfahrt eine bestimmte Zeitspanne. Die Waqfa muss am Arefe-Tag, einen Tag vor dem Eid al-Adha (Opferfest) bis zum ersten Tag des Festes (bis Sonnenaufgang) vollzogen werden. Dieses Jahr fällt diese Spanne auf den 23. und 24. September. Die Tawaf-Zeit fängt mit dem Sonnenaufgang des ersten Festtages an und kann theoretisch bis Lebensende ausgeführt werden. Für gewöhnlich wird sie aber am selben Tag verrichtet. In den Ihram muss man eintreten, sobald man die Ihram-Zone (um Mekka) betritt. Das sind die Zeitangaben für die Pflichten der Hadsch. Alle anderen Teiletappen können sich je nach Verbleib auf eine Zeit von bis zu vier Wochen oder länger erstrecken.

Was ist der Ihram?

Ihram (wörtlich: sich Verbote auferlegen) ist der Eintritt in eine gesegnete Zeitphase und ein gesegnetes Gebiet. In dieser Zeit ist man angehalten, sich von religiös nicht-legitimen Handlungen fernzuhalten. Mit der Absichtserklärung zum Ihram, der körperlichen Reinigung und dem Bekleiden der männlichen Pilger mit zwei ungenähten Stoffen als Gewand beginnt eine Zeit der Verbote, an die man sich halten muss. Frauen sind von dieser Pflicht befreit. Viele Handlungen, die sonst erlaubt sind, sind während der Ihram-Zeit absolut untersagt. In dieser Zeit darf man weder Haare noch Nägel schneiden, keine Körperdüfte wie Parfüm verwenden und auch niemandem – auch Pflanzen nicht – Schaden zufügen.

Was ist die die Talbiya?

Die Talbiya ist der Ausspruch, der unter anderem während der Umkreisung der Kabaa laut ausgesprochen wird. Auch auf dem Weg von der Kabaa zum Hotel oder auf dem Weg zur Kaaba begegnet man oft Gruppen, die die Talbiya „Lebbeyk Allahumme Lebbeyk…“ (auf Deutsch: „Ich eile, Dir zu dienen, Oh Allah! Du hast keine Beigesellen, o Allah! Dir sind Lob und Preis und Dein ist das Reich. Und keiner hat teil an Deiner Allmacht!“).