Metin Külünk galt in Deutschland lange Jahre als verlängerter Arm Erdoğans. Nun hat ihn Sedat Peker wieder ins Gespräch gebracht. Foto: Screenshot/Youtube

Sie sind so groß und präsent, die aktuellen Gegenspieler von Sedat Peker, dass weitere Namen wenig Beachtung finden. Wen interessieren die schon, wenn sich die hauptsächliche Debatte um den türkischen Innenminister, Erdoğans Schwiegersohn und Ex-Finanzminister Berat Albayrak und dessen Bruder Serhat, Mehmet Ağar sowie letztlich sogar um Recep Tayyip Erdoğan höchstpersönlich dreht? Doch ein für die Deutsch-Türken besonders relevanter Name ist mittlerweile auch gefallen. Es handelt sich um Metin Külünk, der einen gesonderten Blick verdient.

Bekannt geworden ist Metin Külünk auf den deutschen Hinterhöfen. Dort traf sich der loyale Erdoğan-Diener einst mit tausenden Deutsch-Türken und erzählte von der „Dawa“, der heiligen Mission der AKP, verbreitete anti-islamische Verschwörungen. Külünk hetzte regelmäßig gegen deutsche Institutionen, beteiligte sich an den Nazi-Ausführungen des türkischen Präsidenten und versuchte deutsch-türkische Verbände wie die Ditib für seine Politik zu missbrauchen. Damals noch AKP-Abgeordneter, wirkte er in Deutschland unermüdlich, um schließlich die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD, heute Union Internationaler Demokraten) zur AKP-Vertretung in Deutschland und Europa schlechthin zu formen. Mit dem Charisma, den Präsidenten seit seiner Jugend zu begleiten und als gestandener AKP-Politiker, kam Külünk unter den Deutsch-Türken gut an.

Rekrutierung in den Shisha-Bars: Das System Külünk

Kein türkischer Politiker zuvor hatte die Türken in Deutschland derart umgarnt. Nicht einmal Erdoğan selbst hat so viel in die Deutsch-Türken investiert wie Metin Külünk. Mit den Älteren traf er sich, wenn nicht in geeigneten UETD-Teestuben, in Teestuben oder Gebetsräumen von Ditib-Moscheen oder in Gemeinden der Milli-Görüş-Bewegung. Natürlich wurde Külünk auch oft genug in türkische Gastronomiebetriebe eingeladen, um über die Mission zu referieren. Während sich im Hintergrund der Döner drehte und mehrere Stunden alter Schwarztee serviert wurde, sprach Külünk immer wieder die emotionalisierten Deutsch-Türken der zweiten Generation an. Gleiches tat er mit Jugendlichen in Cafés bei einer gemütlichen Wasserpfeife, um auch die dritte und vierte Generation für sich zu gewinnen. In Shisha-Bars wurden Dutzende junger Deutsch-Türken rekrutiert, die man anschließend als Security oder Ordner auf AKP-nahen Veranstaltungen in Deutschland wiedersah.

Metin Külünk: Der große Bruder Europas?

Wie beliebt Metin Külünk schließlich wurde, zeigt auch der Beiname, den ihm die Deutsch-Türken gaben. Sie nannten ihn den „großen Bruder Europas“. Was sich auf Deutsch nach einem pathetischen Satz anhört, ist auf Türkisch mit einem einfachen Begriff schnell ausgedrückt: „Abi“. Ein Begriff, der Eigenschaften wie Vorbild, Autoritäts- und Vertrauensperson in sich vereint. Külünk war bei allen Großveranstaltungen Erdoğans in Europa anwesend. Auch zog er die Strippen bei der Demonstration von Deutsch-Türken in Köln nach dem gescheiterten Putschversuch 2016 in der Türkei. Doch ebenjener Külünk hat seine kleinen Geschwister, die zu ihrem großen Bruder in Europa hinaufschauten, seit vielen Jahren im Stich gelassen. Doch dazu hatte er allen Grund.

Külünk macht sich die Hände schmutzig

Seine tiefen Verbindungen in Rocker-ähnliche Gruppierungen in Deutschland haben für einen unsanften und drastischen Cut gesorgt. Abhör- und Observationsprotokolle deutscher Sicherheitsbehörden belegen, dass Metin Külünk beste Beziehungen zu den „Osmanen Germania“ hegte. Die mittlerweile verbotene Bande gewaltbereiter Nationalisten waren auch auf Veranstaltungen der AKP als Leibwächter vertreten.

Doch laut Frontal 21 reicht die Beziehung zwischen Külünk und den Rockern viel weiter. Er habe an Führungsmitglieder der Osmanen Germania Geld gegeben. Davon sollen auch Schusswaffen gekauft worden sein, die für die Gruppierung bestimmt gewesen seien. Seit dem besagten Beitrag im ZDF hat sich Külünk nicht mehr auf europäischen Boden gewagt. Besonders dubios war, dass in jenem Bericht auch Erdoğan höchstpersönlich zu hören war. Die fragwürdigen Methoden Külünks wurden durch den großen „Reis“ (zu deutsch „Anführer“) laut Bericht abgesegnet.

Külünk steht auf Pekers Gehaltsliste

In der türkischen Öffentlichkeit kam diese Debatte nie wirklich an. Unter den Deutsch-Türken wurde das Thema zeitweise diskutiert. Doch für viele war das ein „Spiel der Deutschen“, die die Mobilisierung der Deutsch-Türken durch Erdoğan verhindern wollten. Die Enthüllungen um Külünk wurden als politischer Schritt gewertet. War der Beitrag im ZDF also erfunden?

Wer Sedat Peker in seinem neunten Video aufmerksam zugehört hat, der weiß heute, dass die Reporter des ZDF keine Story erfunden haben. Denn zwischen den zahlreichen Skandalen um Erdoğan und Co. offenbarte Peker am Rande, dass Külünk Geld an die „Freunde in Deutschland“ übergeben habe (ab 55:30). „Es gibt diese Vereine in Deutschland. Das sind gute Freunde, ich mag sie. Er (Metin Külünk) bat mich, ihnen Geld zu senden und ich habe ihnen unter der Hand Geld geschickt“.

Dass Külünk 10.000 Dollar Gehalt von Peker bekommen habe, stimme nicht ganz, so Peker. Er habe ihm einst für die Schuld seines Neffen 300.000 Dollar gegeben. Er habe immer am meisten gegeben von allen. Auch der Kaffee, den die AKP bei Wahlkämpfen gratis an die Bevölkerung verteilte, sei das Produkt seiner Firma. „Habe ich einen einzigen Penny dafür verlangt? Wenn ja, wo ist dann die Rechnung? Ihr habt wirklich keine Ehre“.