Erst am Sonntag gingen in Berlin Menschen auf die Straße: "Herzversagen stoppen - Singen zum Advent für grenzenlose Solidarität mit Geflüchteten". Foto: Christophe Gateau/dpa

Es sinkt aber die Zahl derjenigen, die in Deutschland Schutz suchen. Für Studierende aus dem Ausland wird es dagegen immer attraktiver.

Die Migration nach Deutschland wandelt sich. „Die humanitäre Zuwanderung ist in den letzten vier Jahren zurückgegangen, aber es kommen mehr Menschen nach Deutschland, um zu studieren und zu arbeiten“, heißt es im Migrationsbericht für das Jahr 2019, den die Bundesregierung am Mittwoch veröffentlicht hat.

Von den 81,8 Millionen Einwohnern Deutschlands hatte 2019 mehr als jeder Vierte (21,2 Millionen) einen Migrationshintergrund. Das sind etwa 400.000 mehr als im Vorjahr. Menschen aus der Türkei stellen hier die größte Gruppe. „Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt“, heißt es im Bericht.

Insgesamt zogen 2019 rund 1,6 Millionen Menschen nach Deutschland, ähnlich viele wie im Jahr zuvor. Etwa 66 Prozent der Zugewanderten kamen demnach aus einem europäischen Land. Gleichzeitig wurden 1,2 Millionen Fortzüge erfasst. Es handelt sich laut Bericht um den niedrigsten Wanderungssaldo seit 2011.

Weniger Asylsuchende

Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland ist 2019 erneut gesunken. 142.509 Menschen stellten einen Erstantrag, etwa 20.000 weniger als im Vorjahr. Von den Erstantragstellern waren etwa 22 Prozent Kinder im Alter von unter einem Jahr, die in Deutschland geboren wurden.

Die Zahl der Antragstellenden war von 2008 bis 2016 neun Jahre in Folge gestiegen. 2018 fiel sie dann unter das Niveau von 2014 (173.072 Erstanträge) – also des Jahres vor dem großen Flüchtlingszustrom. Im vergangenen Jahr sank sie abermals. „Seit dem Jahr 2014 belegt Syrien unter den zugangsstärksten Staatsangehörigkeiten für Fluchtmigration den ersten Rang“, heißt es im Bericht. 2019 kam etwa jede vierte Person unter den Erstantragstellern aus Syrien.

Meisten Studienanfänger kamen aus China

Während die Zahl der Erstantragstellenden sinkt, steigt eine andere: die der ausländischen Studenten. An den deutschen Hochschulen waren im Wintersemester 2019/20 rund 410.000 Studierende aus dem Ausland eingeschrieben. Davon gehörten über drei Viertel zu sogenannten „Bildungsausländern“. Hiermit sind unter anderem Studenten gemeint, die über eine ausländische Hochschulzugangsberechtigung verfügen. Rund 110.000 dieser Bildungsausländer haben 2019 ein Studium in Deutschland begonnen. Zum Vergleich: 2015 waren es noch etwa 10.000 weniger. Die meisten ausländischen Studienanfänger kamen 2019 aus China, gefolgt von Indien und Italien.

Daneben stieg auch die Zahl der sogenannten Erwerbsmigranten aus Nicht-EU-Staaten – im Vergleich zu 2018 um etwa fünf Prozent auf circa 64.000. 2010 lag die Zahl der Erwerbsmigranten noch bei etwa 30.000. Bei Fachkräften und Hochqualifizierten wurde im gleichen Zeitraum ein Anstieg von gut 19.000 auf rund 39.000 Zuwandernde verzeichnet.

dpa