DTJ – Demokratie. Teilhabe. Journalismus.
Panorama

Dutzende Türken in Deutschland untergetaucht: Anklage gegen "Schein-Einlader"

Mehrere türkische Staatsbürger sollen mithilfe sogenannter grauer Dienstpässe ohne Visum nach Deutschland eingereist und teilweise untergetaucht sein. Gegen eine Person wurde in Hannover in dem Zusammenhang Anklage erhoben, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge der Deutschen Presse-Agentur am Montag be

MEHR
Von dtj-online20. April 2021
2 Min. Lesezeit
0% gelesen
Mehrere türkische Staatsbürger sollen mithilfe sogenannter grauer Dienstpässe ohne Visum nach Deutschland eingereist und teilweise untergetaucht sein. Gegen eine Person wurde in Hannover in dem Zusammenhang Anklage erhoben, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge der Deutschen Presse-Agentur am Montag bestätigte. Das türkische Innenministerium leitete unterdessen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Ermittlungen gegen sechs Gemeindeverwaltungen wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Vorgang ein. Dem in Hannover Angeklagten Ersin K. wird Oberstaatsanwalt Klinge zufolge vorgeworfen, zwischen dem 30. Juli und 1. August 2020 fälschlich Einladungen für mehrere Personen in der Türkei ausgestellt zu haben. Er soll demnach als "Schein-Einlader" fungiert und den Personen so die Einreise ohne Visa nach Deutschland ermöglicht haben. K. werde Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz vorgeworfen. Laut Anklage wurden 53 Menschen aus der Türkei eingeladen, 46 seien dieser gefolgt, sagte Klinge. Nach der Einreise hätte sich die Gruppe zerstreut. Inzwischen habe man fünf Personen gefunden, die kurze Zeit später Asyl beantragt hätten. Dienstpässe von der AKP-Gemeinde Türkische Medien hatten bereits Anfang April berichtet, dass 45 Menschen aus der osttürkischen Provinz Malatya mithilfe von Dienstpässen nach Deutschland gereist waren und davon nur zwei in die Türkei zurückkehrten. Anlass der Reise und der Ausstellung der Pässe war demnach ein Umweltseminar in Hannover. Vier Mitarbeiter der Gemeinde Malatya wurden vom Dienst suspendiert. https://twitter.com/NalanSipar/status/1383005045155885059?s=20 Der Vorfall in Malatya war nach türkischen Medienberichten aber kein Einzelfall. Zahlreiche andere Gemeinden sollen in ähnliche, fast professionelle Praktiken verwickelt sein. Die Reisenden zahlten nach türkischen Medienberichten für die Pässe zwischen 6000 und 8000 Euro pro Person. Gemeinden in der Türkei können graue Dienstpässe auch für Personen beantragen, die keine Staatsbedienstete sind. In dem Fall muss die Reise im Rahmen einer Zusammenarbeit mit einer Nichtregierungsorganisation im Ausland erfolgen. Die Türkei hatte die Ausstellung von grauen Dienstpässen vergangene Woche vorübergehend eingestellt, um Missbrauch vorzubeugen. Gri pasaport meselesine farklı açıdan bakalım!https://t.co/su7Vo74QYm pic.twitter.com/QsvkRQZMww — cüneyt özdemir (@cuneytozdemir) April 20, 2021 dpa/dtj

Wie hat dir dieser Artikel gefallen?

Newsletter abonnieren

Updates zum Thema „Panorama"

Jederzeit kündbar. Öffnungen und Klicks werden nur aggregiert gemessen; kein individuelles Leseprofil. Datenschutz

Kommentare (0)

Kommentiere diesen Artikel

Mit dem Absenden stimmen Sie der Speicherung Ihres Namens und Kommentars gemäß unserer Datenschutzerklärung zu (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO).

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Cookie-Einstellungen

Wir verwenden technisch notwendige Speicherungen sowie – nur mit Ihrer Einwilligung – Statistik und Externe Medien (z. B. YouTube, Vimeo, Spotify oder X). Marketing wird derzeit nicht verwendet. Nicht-notwendige Dienste werden erst nach Ihrer Wahl aktiviert. Widerruf jederzeit über den Footer-Link. Details in der Datenschutzerklärung und den Cookie-Hinweisen.