Ismet Tekin, Betreiber des Imbisses "Kiez Döner", kommt zu einer Pressekonferenz von "Halle gegen Rechts" und der Mobilen Opferberatung. Ein Jahr nach dem rechtsterroristischen Anschlag am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in Halle wird mit Veranstaltungen und Gebeten der Opfer gedacht. Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist versucht, die Synagoge zu stürmen und ein Massaker unter 52 Besuchern anzurichten. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Jahr nach dem rechtsextremen und antisemitischen Terroranschlag hat in Halle das Gedenken an die Toten und Verletzten begonnen. Für Heiko Maas ist rechter Terror immer noch die „größte Gefahr“ für das Land.

Am Freitagmorgen legten unter anderem der Zentralrat der Juden und die Landtagspräsidentin von Sachsen-Anhalt, Gabriele Brakebusch, große Gedenkkränze vor der Synagoge ab. Auch am angegriffenen Döner-Imbiss in der Nähe lagen frische Blumen.

Am Hauptbahnhof malten Vertreter des Landesnetzwerks der Migrantenorganisationen (Lamsa) erste Strichmännchen aus Kreide auf den Boden. Aus den Kreidezeichnungen soll als Zeichen der Solidarität eine gemalte, kilometerlange Menschenkette durch die Innenstadt werden, wie Lamsa-Chef Mamad Mohamad zum Auftakt sagte: „Jeder kann mitmachen.“

Zahlreiche Veranstaltungen geplant

In der Stadt im Süden Sachsen-Anhalts sind am Freitag zahlreiche Veranstaltungen geplant, um an den Terroranschlag vom 9. Oktober 2019 zu erinnern. Zum Tatzeitpunkt kurz nach 12.00 Uhr soll das Leben in der Stadt still stehen und Glockengeläut ertönen. Am Nachmittag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Halle erwartet. Bundesaußenminister Heiko Maas bezeichnete rechten Terror als „größte Gefahr für unser Land“. „Inzwischen gibt es alle 24 Minuten in Deutschland eine rechtsextrem motivierte Straftat. Das sind keine Einzelfälle, sondern das ist die bittere rechtsradikale Realität in Deutschland“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Vor genau einem Jahr hatte der schwer bewaffnete Stephan B. vergeblich versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der mehr als 50 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Als das misslang, erschoss der Mann eine 40 Jahre alte Passantin. Er tötete zudem beim Angriff auf einen nahe gelegenen Döner-Imbiss einen 20-Jährigen und verletzte und traumatisierte zahlreiche weitere Menschen. Nach einer Stunde war er gefasst. Vor dem Oberlandesgericht läuft gerade der Prozess gegen den 28 Jahre alten Angeklagten. Der Deutsche hat die Tat eingeräumt.

dtj/dpa