Merih Demiral (r), Innenverteidiger der Türkei, erzielt per Eigentor das erste Tor der EURO 2020. Foto: Alfredo Falcone/LaPresse/AP/dpa

Die Milli Takım versagt beim Auftaktspiel der Europameisterschaft durch die Bank. Italien hingegen glänzt und untermauert seine Titelambitionen. 

Mit einem 0:3 (0:0) gegen Italien enttäuschte die Türkei im EM-Eröffnungsspiel vor 15.948 Zuschauern in Rom. Ein Eigentor von Merih Demiral (53. Minute), ein Abstauber von Ciro Immobile (66.) und ein Treffer von Lorenzo Insigne (79.) entschieden die Partie zugunsten der Azzurri, die sich eine gute Ausgangsposition im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale erarbeiteten.

Die Türkei wurde nach der Pause für ihren passiven Auftritt bestraft und startete zum fünften Mal mit einer Niederlage in eine Europameisterschaft. Überhaupt sprang bei einem Auftaktspiel in ein Turnier noch nie etwas Zählbares für die Türken heraus. „Wir haben Italien in der zweiten Halbzeit zu viele Räume gegeben und verdient verloren“, sagte Mittelfeldspieler Kenan Karaman vom Zweitligisten Fortuna Düsseldorf, der mehr mit Defensivarbeit beschäftigt war und vorne keine Akzente setzen konnte.

Mehr Druck gegen Wales

Die Mannschaft von Şenol Güneş steht am kommenden Mittwoch gegen Wales bereits unter Druck, Italien empfängt dann die Schweiz. „Sie waren technisch und taktisch deutlich besser als wir“, sagte Güneş nach dem Spiel. Nach einer schwungvollen Eröffnungsfeier mit viel Feuerwerk und Musik, bei der Startenor Andrea Bocelli für große Emotionen sorgte, bot das Auftaktduell in der ersten Hälfte nur wenig sportlichen Unterhaltungswert.

Die seit September 2018 in 27 Spielen ungeschlagenen Italiener dominierten die Partie zwar von Beginn an, fanden zunächst aber kaum einmal eine Lücke im Abwehrbollwerk des Gegners. Die Türkei beschränkte sich fast ausschließlich auf die Defensive. Dabei wurde deutlich, warum der Weltranglisten-29. in zehn Qualifikationsspielen nur drei Gegentore kassierte. Teilweise standen gleich neun Feldspieler im oder am eigenen Strafraum. Nach vorne ging aber wenig. Torhüter Uğurcan Çakır schlug die Bälle (zu) weit weg oder gleich ins Seitenaus, hatten die Feldspieler mal den Ball, verloren sie ihn wieder schnell. „Das Pressing der Italiener war sehr gut“, so der Trainer.

Italien klar überlegen

„Wir haben ein gutes Spiel gemacht, es war nicht einfach zum Start gegen eine gute Mannschaft. Das Publikum hat uns geholfen“, sagte Italiens Trainer Roberto Mancini und analysierte: „Es war entscheidend, dass wir den Ball schnell haben laufen lassen.“

Auch wenn es nicht sehr viele Torchancen gab, ergaben sich für die Azzurri hin und wieder Gelegenheiten. Immobile, der einst bei Borussia Dortmund in der Bundesliga stürmte, traf früh nur das Außennetz. Insigne schlenzte das Leder aus verheißungsvoller Position am langen Eck vorbei und Abwehrspieler Giorgio Chiellini zwang den türkischen Torwart Çakır mit einem Kopfball zu einer ersten Parade.

Erste Hälfte torlos

Insgesamt agierte der Europameister von 1968 jedoch zu verspielt und nicht zwingend genug. Für Aufregung vor der Pause sorgten lediglich gleich drei Handspiele türkischer Spieler im eigenen Strafraum, bei denen die Italiener jeweils einen Elfmeter forderten. Doch der niederländische Schiedsrichter Danny Makkelle bewertete zurecht keine Aktion als strafwürdig. So ging es torlos in die Kabinen.

Nach dem Wechsel war endlich Feuer in der Partie. Zunächst musste Italiens Torwart Gianluigi Donnarumma bei einem abgefälschten Schuss des für den unsichtbaren Yusuf Yazıcı eingewechselten Cengiz Ünder (50.) erstmals zupacken, drei Minuten später bejubelten die Italiener die verdiente Führung. Domenico Berardi flankte von der rechten Seite scharf nach innen, wo Demiral den Ball unglücklich ins eigene Netz bugsierte. Wenige Sekunden zuvor sah Linksverteidiger Umut Meraş nicht gut aus, als er Berardi nicht stören konnte und stattdessen zu Boden ging.

Türken nach Rückstand ohne Feuer

Die Squadra Azzurra, die sich mit zehn Siegen aus zehn Spielen für die Endrunde qualifiziert hatte, setzte sofort nach und drängte auf den zweiten Treffer. Manuel Locatelli scheiterte mit einem Flachschuss an Çakır, kurz darauf vergab Berardi in aussichtsreicher Position.

Die Türken hatten dem stärker werdenden Druck nichts entgegenzusetzen und kassierten folgerichtig das zweite Gegentor. Einen Schuss von Leonardo Spinazzola konnte Çakır mit einem starken Reflex zwar noch abwehren, gegen den Nachschuss von Immobile war der türkische Keeper aber machtlos. Insigne, der wie viele andere italienischen Offensivspieler zu viel Platz hatte, rundete den gelungenen Abend für die Italiener nach einem Bock von Çakır ab. „Es war sehr wichtig, das Auftaktspiel zu gewinnen, aber wir müssen auf dem Boden bleiben“, sagte der Torschütze zum Endstand.

Weiter geht es für die Milli Takım am Mittwoch um 18 Uhr gegen Wales. Am nächsten Sonntag steigt dann das Gruppen-Endspiel gegen die Schweiz. Beide Partien werden in Baku gespielt.

dtj/dpa