Reyhan İnandı, die Ehefrau des seit Montag vermissten Orhan İnandı, bat den kirgisischen Staatspräsidenten in einer Presseerklärung um Unterstützung.
Reyhan Inandı, die Ehefrau des seit Montag vermissten Orhan Inandı, bat den kirgisischen Staatspräsidenten in einer Presseerklärung um Unterstützung. Foto: kronos.news

Die türkische Regierung verfolgt weiterhin Kritiker:innen – auch im Ausland. Vergangene Woche wurde der Neffe des muslimischen Gelehrten Fethullah Gülen in Kenia entführt. Seit Montag wird der Präsident des türkisch-kirgisischen Sapat-Schulnetzwerks Orhan Inandı vermisst. Seine Frau befürchtet das Schlimmste.

Die Ehefrau des kürzlich in Kirgisistan mutmaßlich entführten Präsidenten des türkisch-kirgisischen Sapat-Schulnetzwerks Orhan Inandı befürchtet, das ihr Ehemann gefoltert wird. Auf einer Pressekonferenz behauptete Reyhan Inandı, dass ihr Ehemann von der türkischen Regierung entführt worden sei.

Ihr Mann verschwand am Montag in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Sein Auto wurde in der Nähe seines Hauses mit offenen Türen gefunden. Darüber berichtete unter anderem das englischsprachige Nachrichtenportal „TurkishMinute“. 

Inandı, der auch einen kirgisischen Pass hat, soll Verbindungen zur Gülen-Bewegung gehabt haben. Mitglieder des Schulnetzwerks glauben, dass er deshalb von der türkischen Regierung entführt worden sein könnte. Diese Vermutung liegt, auch aufgrund der jüngsten Aktivitäten der türkischen Regierung im Ausland, nahe. Erst vergangene Woche hatte der türkische Geheimdienst MIT den Neffen des muslimischen Gelehrten Fethullah Gülen in Gewahrsam genommen, vermutlich in Kenia.

Ehefrau befürchtet Folter türkischer Behörden

Gegenüber Pressevertretern sagte Inandıs Frau, sie befürchte, dass Folter gegen ihren Mann angewandt werde. Türkischen Behörden wird immer wieder vorgeworfen, besonders massiv seit 2016 Kritiker:innen und Anhänger:innen der Hizmet-Bewegung zu foltern.

„Wir leben seit 26 Jahren schon hier, dies ist unser Zuhause“, sagte Reyhan Inandı. Unterstützung bekommt die Familie auch von der kirgisischen Bevölkerung und aktuellen und ehemaligen Schüler:innen des Schulnetzwerks. Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Dienstag vor dem Gebäude der türkischen Botschaft in Bischkek. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift: „Wo ist Herr Inandı?“.

Hunderte von Menschen versammelten sich vor dem Gebäude der türkischen Botschaft in Bischkek.
Hunderte Menschen versammelten sich vor dem Gebäude der türkischen Botschaft in Bischkek.

Vertrauten der Familie zufolge warteten auf den Flughäfen in Bischkek und in der nahen usbekischen Hauptstadt Taschkent zwei Flugzeuge, die nicht auf den offiziellen Fluglisten der an diesen Flughäfen tätigen Airlines aufgeführt seien. Das nährt den Verdacht, dass diese Flugzeuge vom türkischen Geheimdienst verwendet worden sein könnten, um den Entführten in die Türkei zurückzubringen. Bestätigt ist das aber nicht.

Kirgisische Politiker fordern Aufklärung

Auch kirgisische Politiker schalteten sich bereits ein. So forderten die drei Abgeordneten Ulukbek Ormonov, Dastan Bekeshev, Shailoobek Atazov einem türkischen Medienbericht zufolge Aufklärung durch das Innenministerium des Landes. Es sei nicht hinnehmbar, dass ein kirgisischer Staatsbürger seit drei Tagen nicht gefunden werden könne.

Bekeshev sagte in einer Rede vor dem kirgisischen Parlament, dass es Gerüchte über eine Entführung eines Staatsbürgers mithilfe ausländischer Spezialkräfte gegeben habe. Er selbst glaube zwar nicht daran, wolle aber wissen, was mit dem Mann passiert sei.

Inandı seit fast 30 Jahren in Kirgisistan tätig

Das Sapat-Netzwerk ist in Kirgisistan seit 1992 aktiv. Seit 2017 wird es von der Kirgisischen Republik betrieben. Zum Schulnetzwerk zählen 16 Gymnasien, eine internationale Universität, eine internationale Schule und drei Grundschulen.

Inandı war seit 1995 in Kirgisistan tätig und seit 2001 Präsident des Schulnetzwerks. Laut Aussage der Sapat-Schulen erhielt er 2002 den Titel „Exzellenz in der Bildung der Kirgisischen Republik“ und das Ehrendiplom der Kirgisischen Republik sowie 2003 die Dankes-Medaille der Kirgisischen Republik für seinen Beitrag zur Verbesserung des Bildungssystems im Land.

Update: Offenbar befindet sich der entführte Schulleiter noch in #Bishkek. Seine Frau verkündete soeben auf Twitter, dass ihr Ehemann in der Türkischen Botschaft Bishkek festgehalten werde.