Fall Doğan Akhanlı: Türkei stellt offizielles Auslieferungsersuchen an Spanien

Die Türkei hat offenbar das offizielle Auslieferungsersuchen für den Deutsch-Türkischen Schriftsteller Doğan Akhanlı gestellt. Dies teilte der Anwalt des Schriftstellers am Freitag mit. Das spanische Außenministerium habe die entsprechenden Unterlagen bereits am 08.09.2017 erhalten. Einsicht hätten die Anwälte von Akhanlı allerdings noch nicht. Ilias Uyar, der Rechtsanwalt des Schriftstellers, kritisiert die Eile der türkischen Justiz: „Die Eile, mit der die Türkische Justiz ihr Anliegen begründet, erstaunt. Ein ähnlich zügiges Handeln würden sich die unzähligen inhaftierten Menschen in den türkischen Gefängnissen auch wünschen, die teilweise über Monate ohne Anklage in Haft sind, so wie Deniz Yücel, der seit über 200 Tagen ohne Anklage in Einzelhaft eingekerkert ist.“

Nun muss das spanische Justizministerium binnen 40 Tagen eine Empfehlung an die spanische Regierung aussprechen. Anschließend hat die Regierung nochmal acht Tage Zeit für Entscheidung bezüglich der Auslieferung.   

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Grund für Red Notice entstammt 1980er Jahre

Der Schriftsteller Doğan Akhanlı ist deutscher Staatsbürger und lebt in Köln. Er wurde im August während seines Urlaubs im spanischen Granada festgenommen, weil gegen ihn eine „Interpol Red Notice“ vorlag. Der Grund für diese Red Notice ist allerdings nicht – wie oft die Vermutung angestellt wird- eine kritische Position zu dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, sondern ein Vorwurf aus Ende der 1980er Jahre. Akhanlı wird vorgeworfen, sich an einem Raubmord auf eine Geld-Wechselstube in Istanbul beteiligt zu haben.

Der Fall um den Schriftsteller hat die deutsch-türkischen Beziehungen weiter belastet. Außenminister Sigmar Gabriel und Justizminister Heiko Maas (beide SPD) hatten sich Anfang der Woche in einem Schreiben an die spanische Regierung gegen eine Auslieferung von Akhanlı an die Türkei gewandt.

 

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