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„Million Dollar Baby“ ist ein US-amerikanischer Spielfilm von und mit Clint Eastwood (2004), der mit gleich vier Oscars ausgezeichnet wurde. Der türkische Finanzminister und Schwiegersohn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, Berat Albayrak, erntete hingegen mit seinem Dollar-Auftritt in einem TV-Interview mit dem regierungsnahen Moderator Ahmet Hakan eher Kritik.

Die türkische Wirtschaft sei im Aufwind, beteuert der türkische Präsident seit Wochen. Dabei steht die Türkei derzeit vor einem bewaffneten Konflikt mit dem benachbarten Nato-Bündnispartner Griechenland. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Landeswährung. Die Türkische Lira (TL) ist im Gegensatz zu einem US-Dollar derzeit nur 0,14 TL wert. Der Euro ist sogar erheblich wertvoller. 1 Euro sind aktuell umgerechnet rund 9 TL. Für Deutsch-Türken „lohnt“ sich der Sommerurlaub in der Türkei in diesem Jahr ganz besonders.

Dollar vs. Türkische Lira: Bevölkerung vor dem Exodus

Die Lage der Lira beeinflusst in der Türkei das gesamte Leben. Denn das Land ist in vielen wichtigen Punkten auf den Import von Waren und Gütern angewiesen. Beispielsweise beschafft es Brennstoffe wie Diesel, Öl und Benzin aus dem Ausland und kauft diese Produkte in Dollar ein. Auch Fahrzeuge und anderweitige Hightech-Geräte sowie Samen für die Felder werden aus dem Ausland importiert. Wenn der Wert der Lira sinkt, werden diese Produkte immer teurer.

Bereits heute kostet 1 Liter Benzin stolze 6,59 TL. Ein durchschnittlicher Tank eines VW Golf fasst ca. 50 Liter Benzin. Also kostet einmal Volltanken aktuell in der Türkei rund 330 TL. Zum Vergleich: Der Mindestlohn in der Türkei beträgt stand heute 2300 TL. Eine durchschnittliche 3-Zimmer-Wohnung in Istanbul Üsküdar kostet gegenwärtig zwischen 1400-3000 Türkische Lira. In der Peripherie wie in Istanbul Kartal kostet eine Wohnung derselben Größenordnung rund 1200 TL. Ein Kilogramm Rinderhack kostet derzeit laut dem türkischen Amt für Fleisch und Milch 35 TL. Für Rinderfilet schreibt die Behörde rund 80 TL vor.

Albayrak wird Dollar-Diskussion zum Verhängnis

Bereits vor Monaten hatten große Schwankungen der Devisenmärkte den türkischen Finanzminister Berat Albayrak ins Schwitzen gebracht. Doch durch fragwürdige Maßnahmen wie dem Verkauf von Dollar-Reserven der türkischen Zentralbank konnte der Wert des Dollars auf ca. 5 TL gesenkt werden. Heute ist der Wert von 2019 allerdings überholt und der Trend zeigt weiter nach unten.

Auf den wachsenden Druck durch die Bevölkerung und auch der türkischen Unternehmer hatte zunächst Präsident Erdoğan das Wort ergriffen. Bei seinem Statement zum Konflikt mit Griechenland sprach er anschließend von einer wirtschaftlichen Erfolgsphase. Die Ökonomie befinde sich in einem regelrechten Höhenflug. Dass Erdoğan dies an den Verkaufszahlen von Kühlschränken und Pkw festmachte, sorgte in den sozialen Medien für Kopfschütteln. Während früher im Jahr 800.000 Kühlschränke verkauft worden seien, liege diese Zahl heute bei zwei Millionen. So musste sich nun endlich Berat Albayrak der Öffentlichkeit stellen.

„Der Dollar beunruhigt mich, Herr Minister“

Bezeichnend: Albayrak wählte für seinen Auftritt Ahmet Hakan aus. Ein Moderator, dessen Karriere erst mit der AKP eine steile Entwicklung nahm. Ursprünglich war Hakan Nachrichtensprecher beim islamisch-konservativen Sender Kanal 7. Heute ist er ein wichtiges Gesicht des einstigen regierungskritischen Senders CNN Türk.

Dabei fiel Erdoğans Schwiegersohn bereits bei der ersten Frage von Hakan so negativ auf, dass diese Passage des Interviews im Netz viral ging. Der Moderator sprach davon, dass ihn der Anstieg des Dollars gegenüber der Türkischen Lira beunruhige. „Muss mich das beunruhigen, Herr Minister?“, so Hakan. Dass Albayrak auf diese Frage hin eine Weile grinste, wurde in den sozialen Medien Zehntausende Male geteilt. Der Tenor der Postings war klar: „Was gibt es denn da so zu lachen?“, fragten zahlreiche User den Finanzminister. Doch mit seiner Antwort stellte sich Albayrak erst recht ins Abseits. „Herr Hakan, werden Sie etwa in Dollar bezahlt? Haben Sie etwa Schulden in Dollar?“. Lächelnd erwiderte der „kritische“ Moderator mit einem einsichtigen „Nein“.

Opposition kritisiert Albayrak

In den sozialen Medien wurde das als ein Zeichen von Inkompetenz gewertet. „Diese Dollar-Frage des Ministers ist zum Haareraufen“, hieß es beispielsweise in auf YouTube veröffentlichten Straßeninterviews zum Auftritt. Auch aus der Opposition hagelte es Kritik. Der Vorsitzende der neuen GELECEK-Partei, der ehemalige türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu, sprach vor seinen Parteimitgliedern über den Minister. „Es ist schon ulkig, dass ein Journalist einen Finanzminister interviewen soll, der zu Beginn einräumt, keine Ahnung von der Wirtschaft zu haben. Er (Ahmet Hakan, Anm. d. Red.) wird aber nach der ersten Aussage von Minister Berat Albayrak erleichtert gewesen sein, als sichtbar wurde, dass der Minister ebenso keine Ahnung von der Materie hat“, so Davutoğlu.

Der konservative Erdoğan-Herausforderer erinnerte Albayrak daran, dass in der Türkei Rohstoffe wie Benzin und Öl aus dem Ausland importiert und in Dollar eingekauft werden. Die öffentliche Verschuldung der Türkei im Ausland betrage 115 Milliarden Dollar. „Ich will klarstellen, dass diese Schulden nicht in Türkischer Lira, sondern in Dollar zurückzuzahlen sind“, so Davutoğlu.