Debatte um Türkischunterricht an deutschen Schulen

Hamburgs Schulsenator dringt auf mehr Türkisch an staatlichen Schulen

In der Debatte um den türkischen Konsulatsunterricht dringt Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) auf mehr Angebote für Migrantenkinder im normalen Unterricht. «Die vielen Verdachtsmomente und Vorwürfe zum Konsulatsunterricht sind bei genauerem Hinsehen nicht in dem Maß berechtigt», sagte Rabe am Donnerstag am Rand einer Sitzung der Kultusminister der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Beim türkischen Konsulatsunterricht bekommen Kinder, deren Eltern aus der Türkei stammen, in Deutschland Türkisch und Heimatkunde beigebracht. Die Lehrer werden vom türkischen Staat ausgewählt und bezahlt.

Nicht berechtigt seien Bedenken, dass dabei von langer Hand vorbereitet eine unangemessene Staatsdoktrin oder Ideologie etwa im Sinn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vermittelt würde, sagte Rabe. «Bei der Beschäftigung mit dem Konsulatsunterricht wurde uns deutlich, dass es den ernstzunehmenden Wunsch gibt, etwas vom Heimatland zu erfahren.» Allerdings sei dieser nach dem normalen Schulbetrieb erteilte Unterricht pädagogisch eher unmodern, zudem würden unter anderem ungefiltert Atatürk-Traditionen weitergegeben.

Verstärkt Angebote wie Türkisch-Unterricht

Positiv wäre es aus Sicht des SPD-Politikers, wenn den Kindern aus Migrantenfamilien verstärkt Angebote wie etwa Türkisch-Unterricht im staatlichen Schulbetrieb gemacht würden. Dies könnten etwa Wahlpflichtkurse oder Angebote einer zweiten oder dritten Fremdsprache sein.

Konsulatsunterricht gibt es nicht nur für türkischstämmige Kinder. Erteilt wird er für Grundschüler und Schüler bis zur Mittelstufe. Bereits vor vier Jahrzehnten wurde er in mehreren Bundesländern eingerichtet. Damals war das Motiv, dass Kinder von Gastarbeitern vorbereitet werden sollten, in die Heimat der Eltern zurückzukehren.

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dpa/dtj