Die türkische Regierung macht offenbar weiter mit der Verfolgung und Entführung von Gülen-Anhängern. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu mit Berufung auf türkische Sicherheitsbehörden berichtet, sollen drei Anhänger des Islam-Gelehrten Fethullah Gülen aus dem westafrikanischen Gabun entführt worden sein. Die türkische Regierung macht den im US-Exil lebenden Fethullah Gülen und seine Anhänger für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Gülen selbst weist die Vorwürfe zurück und fordert eine unabhängige Untersuchungskommission, welche wiederum von der türkischen Regierung abgelehnt wird. Seitdem verfolgt Sie seine Anhänger im Ausland. Dazu gehören auch Geheimdienstoperationen im Ausland. So wurden zuletzt sechs Gülen-Anhänger aus dem Kosovo entführt und in die Türkei ausgeliefert.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte nach diesem Vorfall mehrmals, dass diese „Operationen“ fortgesetzt würden. Bei einer Kundgebung am Samstag sagte Erdogan: „Wir haben etwa 80 Fetö-Militanten in unterschiedlichen Ländern gefunden, eingepackt und in die Türkei gebracht. Wir werden weitermachen.“

Auch Erdogans Anwalt Hüseyin Aydin sagte in den vergangenen Tagen im staatlichen Hörfunk TRT Radyo, dass ähnliche Vorfälle wie im Kosovo demnächst auch woanders stattfinden könnten. Die Gülen-Anhänger würden von nun an vor Angst ständig hinter sich blicken müssen, so Aydin.

App ByLock weiterhin als Grund um Putschist zu sein

Nach diesen Aussagen wurden laut der Nachrichtenagentur Anadolu drei weitere Gülen-Anhänger aus Gabun entführt und in die Türkei gebracht. Die drei Männer Osman Ö., İbrahim A. und Adnan D. seien durch eine Operation des Geheimdienstes MIT entführt worden. Bei den Verhafteten soll es sich um Mitarbeiter der Gülen-nahen Schule „Ecole la Lumière“ handeln. Einer der Gründe für die Verhaftung sei die Nutzung der App-Bylock.

Die AKP-Regierung in Ankara baut ihre strafrechtliche Strategie gegen Mitglieder der Gülen-Bewegung auf diesen Instant-Messeging-Dienst auf, der nicht viel anders funktioniert als das viel bekanntere Whatsapp. Die Regierung behauptet, ByLock wäre als eine geheime Kommunikations-App programmiert und gezielt für die Vorbereitung des Putsches eingesetzt worden. Jeder, der den Dienst auf seinem Handy installiert hat, gilt somit als potenzieller Putschist. Die Frage, ob der Putsch tatsächlich mittels dieses Programms geplant wurde, oder ob es nur für ganz legale Alltagskommunikation genutzt wurde, wird dabei gar nicht gestellt. Erst Ende vergangenen Jahres gab die türkische Staatsanwaltschaft zu, dass es viele Fehler bei der Bylock-Begründung gegeben hat. Mehrere Tausend Inhaftierte wurden daraufhin wieder freigelassen.