Trotz Pandemie überbringt die Hilfsorganisation Time to Help e.V. Spenden in alle Welt. Dabei bekommen Sie tatkräftige Unterstützung von regionalen Partnern.
Trotz der Pandemie überbringt Time to Help e.V. Spenden in alle Welt. Dabei bekommt die Hilfsorganisation tatkräftige Unterstützung von regionalen Partnern. Foto: TTH

Die Corona-Pandemie hat zweifelsohne auch Auswirkungen auf die Arbeit von Hilfsorganisationen. Dennoch kommt ein Aussetzen der Hilfen für viele von ihnen nicht in Frage. Der neue Geschäftsführer des Vereins Time to Help e.V. aus Offenbach am Main erklärt im Interview, warum die Arbeit für ihn ein wichtiges persönliches Anliegen ist und wie Time to Help Menschen während der Pandemie unterstützt.

Herr Bayram, wie kommen Sie als Verein aktuell mit der Corona-Pandemie zurecht? Können Sie weiterarbeiten? 

Die Time to Help e.V. ist eine humanitäre Hilfsorganisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Spenden unserer Unterstützer:innen in die Regionen zu überbringen, in denen es gerade nötig ist. Wir haben in jedem Land seriöse und vertrauenswürdige Partnerorganisationen. Deshalb müssen wir nicht immer persönlich vor Ort sein. Unsere regionalen Partner schicken uns Aufnahmen und detaillierte Informationen der durchgeführten Maßnahmen zu. Diese werden dann durch uns auf unseren Social Media-Kanälen transparent veröffentlicht. Die Hälfte unseres Teams arbeitet derzeit im Homeoffice. Die andere Hälfte kommt ins Büro.

Was ist in diesem Ramadan für Sie und Ihren Verein anders als in den Vorjahren?

Wir konnten in diesem Ramadan leider keine gemeinsamen Fastenbrechen-Abende mit unseren Unterstützer:innen organisieren. Normalerweise ist das für uns sehr wichtig. Stattdessen haben wir aber versucht, umso mehr Menschen Spenden zu übermitteln.

Gibt es Länder, in die Sie derzeit gar nicht mehr reisen können?

Leider ja. Wir können beispielsweise nicht mehr in Länder reisen, die aufgrund der Pandemie als Risikogebiete eingestuft wurden. Dennoch versuchen wir unsere Spenden mit den regionalen Partnern den Bedürftigen zukommen zu lassen.

Was hat Ihnen diese Pandemie gelehrt?

Die Pandemiephase ist sehr hart und schmerzhaft. Ich glaube aber, dass wir dadurch gelernt haben, dass wir Menschen sind und uns gegenseitig brauchen.

Woran machen Sie das fest? 

Vor allem am Spendenverhalten der Menschen. In dieser Phase sind die Menschen selbst oder ihre Verwandten erkrankt und haben meist eine schwere Zeit hinter sich. Einige haben sogar Angehörige verloren. All dieses Leid hat bei den Menschen noch einmal zu einer Sensibilisierung geführt. Man könnte sagen, viele wollen vermehrt dazu beitragen, die Probleme anderer zu beseitigen oder zu lindern. Dieser Wille hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen spenden. Das ist unsere Beobachtung. Vor allem ist der Andrang für die Errichtung von Wasserbrunnen mit sauberem Wasser in Afrika derzeit besonders beliebt. Das Interesse ist schlagartig, ungefähr um das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Neben Kindern im Jemen hilft die TTH e.V. auch in Deutschland.
Neben Kindern im Jemen hilft die TTH e.V. auch jenen in Deutschland. Foto: TTH

Welche Hilfsmaßnahmen planen Sie an diesem Ramadanfest?

Unsere Maßnahmen sind nicht nur mit dem Ramadan begrenzt. Wir helfen auch danach noch weiter, wo es geht. An diesem Ramadanfest haben wir uns besonders die Kinder vorgenommen. So haben wir für Waisenkinder im Jemen, das ja derzeit die mutmaßlich schwierigste Phase seiner Geschichte durchlebt, spezielle „Bayram-Pakete“ zusammenstellen lassen. Darin sind Klamotten für das Fest, Spielzeuge und Süßes enthalten.

Sie sprechen immer wieder von Hilfsmaßnahmen im Ausland. Was ist mit Spenden und Hilfen in Deutschland?

Auch in Deutschland wollen wir helfen. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation aus Darmstadt, „Luisen Bildungsverein e.V.“, haben wir Geschenke für Kinder in Flüchtlingsunterkünften vorbereitet. Auch in anderen Städten der Bundesrepublik haben Partnervereine speziell für Kinder und benachteiligte Frauen Geschenke vorbereitet und verteilt.

Was bereitet Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten Freude?

Besonders jetzt sehen wir, wie die Pandemie die Menschen und ihre Familien in schwierige Situationen bringt. Bei der Übergabe der Spenden sehen wir, wie die Augen dieser Menschen strahlen. Diese Freude in diesem Moment zu erleben, ist unbeschreiblich. Das ist eine Freude, die entsteht, weil wir unserer menschlichen Pflicht nachkommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

TTH-Vorsitzender Bayram freut sich über jede überbrachte Spende.
TTH-Vorsitzender Cengiz Bayram freut sich über jede überbrachte Spende. Foto: TTH

Cengiz Bayram ist seit Anfang 2021 Geschäftsführer der humanitären Hilfsorganisation Time to Help e.V.

Äußerungen unserer Gesprächspartner:innen geben deren eigene Auffassungen wieder.