Ein Mann hält bei einer Mahnwache des PEN-Zentrums für den türkischen Verleger und Kulturmäzen Osman Kavala vor der Türkischen Botschaft in Berlin ein Bild von Kavala hoch. Kavala wurde Ende 2017 in der Türkei verhaftet und wird seitdem ohne Verurteilung festgehalten. Foto: Christophe Gateau/dpa

Nach dem Botschafter-Eklat um seine Inhaftierung hat sich der türkische Kulturförderer Osman Kavala für Dialog ausgesprochen. Dabei nahm er die EU in die Pflicht und mahnte die Einhaltung der Menschenrechte an.

„Die EU sollte den Dialog mit der Türkei fortsetzen und dabei immer wieder Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ansprechen“, teilte Kavala in einem schriftlich geführten Interview mit dem „Spiegel“ mit. „Das ist besser, als gleich zu Sanktionen zu greifen.“

Kavala ließ am Dienstag über seine Anwälte zudem eine Erklärung veröffentlichen, in der er persönliche Angriffe auf seine Person beklagte. Er werde in der Öffentlichkeit als böse und finstere Person dargestellt, kritisierte er darin. Ihm seien vier Jahre seines Lebens gestohlen worden.

Seit vier Jahren in Haft

Kavala (64) ist seit vier Jahren inhaftiert, ohne je verurteilt worden zu sein. Ihm wird in einem Prozess in Istanbul Umsturzversuch im Zusammenhang mit den Gezi-Protesten sowie „politische und militärische Spionage“ im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 vorgeworfen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan greift Kavala auch immer wieder persönlich an.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2019 bereits Kavalas Freilassung gefordert (DTJ-Online berichtete). Die Türkei ignoriert das Urteil aber bislang. Der Europarat droht dem Land mit der Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens, wenn Kavala nicht bis Dezember freigelassen wird.

Der Fall Kavala hatte vor mehr als einer Woche zu einem diplomatischen Eklat geführt. Zehn Botschaften in Ankara, darunter die deutsche, hatten Kavalas Freilassung gefordert. Erdogan kündigte daraufhin die Ausweisung der Botschafter an, setzte die Drohung aber nicht um.

dpa/dtj