Das Kontrollzentrum auf aserbaidschanischem Gebiet ist Bestandteil einer Friedensvereinbarung. Foto: MSB

In der Konfliktregion Bergkarabach im Südkaukasus wollen Russland und die Türkei die Waffenruhe nun gemeinsam kontrollieren. Dazu nahm am Samstag gut elf Wochen nach Ende der Kämpfe ein Überwachungszentrum beider Länder seine Arbeit auf.

Türkische Soldaten seien in Aserbaidschan eingetroffen, meldete die aserbaidschanische Staatsagentur Azertac. Auf Bildern waren Streitkräfte vor in Wohncontainern eingerichteten Büros zu sehen.

Das Kontrollzentrum auf aserbaidschanischem Gebiet ist Bestandteil einer Friedensvereinbarung, auf die sich Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev und der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan unter Vermittlung Russlands verständigt hatten. Kernpunkt des Abkommens ist die Entsendung von fast 2000 russischen Friedenssoldaten, die die Waffenruhe in der Region seit Wochen kontrollieren.

Die neuen Kämpfe um Bergkarabach hatten am 27. September begonnen und dauerten bis zum 9. November vergangenen Jahres an. Es gab nach bisherigen Angaben weit mehr als 4700 Tote, darunter auch Zivilisten. Die Zahl dürfte weiter steigen, weil noch immer Leichen geborgen werden. Aserbaidschan hatte sich weite Teile des Anfang der 1990er Jahre verlorenen Gebiets zurückgeholt. Das Land wurde von seinem „Bruderstaat“ Türkei unterstützt. Armenien setzte auf Russland als Schutzmacht.

Bis zu 60 Soldaten von beiden Seiten

Nach russischen und türkischen Angaben soll das Überwachungszentrum Informationen darüber sammeln, ob die Waffenruhe von den Konfliktparteien eingehalten wird. Beide Seiten stellen dafür je 60 Soldaten. Beim Bruch der Waffenruhe sollen „geeignete Maßnahmen geprüft“ werden. Zum Einsatz kommen bei den Kontrollen demnach auch Drohnen.

Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte die Hoffnung, dass das Zentrum zu einer weiteren Stabilisierung der Lage in Bergkarabach beitrage. Das teilte der Kreml am Samstag nach einem Telefonat Putins mit Aliyev mit. Dessen Büro erklärte, die Einrichtung werde einen „nachhaltigen Frieden gewährleisten“. Zuletzt hatte es keine größeren Verstöße gegen die Waffenruhe gegeben.

Das Friedensabkommen hat in Armenien heftige Straßenproteste ausgelöst. Die Opposition macht Paschinjan für die Niederlage gegen Aserbaidschan verantwortlich. Erst am Donnerstag gab es bei neuen Demonstrationen mehr als 20 Festnahmen. Menschen hatten versucht, in Regierungsgebäude einzudringen. Die Polizei hinderte sie aber daran.

dpa/dtj