20.09.2021, Türkei, Istanbul: Stefan Kuntz gestikuliert während der Pressekonferenz nach seiner Ernennung zum Cheftrainer der Fußballnationalmannschaft der Türkei. Der bisherige deutsche U21-Erfolgscoach unterzeichnete einen Vertrag bis 2024. Foto: Uncredited/AP/dpa

Der bisherige deutsche U21-Erfolgscoach Stefan Kuntz hat einen Vertrag für drei Jahre als neuer türkischer Fußball-Nationaltrainer unterschrieben.

Der 58-Jährige wurde am Montag in Istanbul als Nachfolger von Şenol Güneş vorgestellt und soll die Türkei zur WM 2022 in Katar führen. „Für mich ist es ein bisschen – oder nicht ein bisschen – wie nach Hause kommen“, sagte Kuntz am Montag in Istanbul. „Ich möchte der deutscheste Türke oder türkischste Deutsche werden.“

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Der Deutsche Fußball-Bund hatte dem erfolgreichsten U21-Nationaltrainer seiner Verbandsgeschichte zuvor die Freigabe für einen Wechsel in die Türkei erteilt. Kuntz führte die wichtigste deutsche Nachwuchsmannschaft in drei Endspiele, gewann 2017 und 2021 den Titel. Es seien harte, aber faire Verhandlungen mit der türkischen Seite gewesen, sagte Kuntz. „Ich bin voller Energie, weil ich weiß, was türkische Spieler in sich drin haben.“ Der für den türkischen Verband tätige Ex-Nationalspieler Hamit Altıntop erklärte, dass man mit Kuntz den türkischen Fußball und die dazugehörige Fußballkultur im Land wiederbeleben wolle. Der DFB habe Kuntz die Chance als Nationaltrainer nicht gegeben, die Türkei mache das nun.

Co-Trainer noch nicht fix – Gerüchte um Koçak und Lichte

Wer Co-Trainer an Kuntz‘ Seite werde, wurde noch nicht verkündet. Als Kandidat Nummer eins gilt der frühere Hannover-96-Trainer Kenan Koçak, der beide Sprachen gut spricht. Spekuliert wurde am Wochenende auch über Jan-Moritz Lichte, der letztes Jahr kurzzeitig den Bundesligisten FSV Mainz 05 betreuen durfte, aber wegen Erfolglosigkeit kurze Zeit später gehen musste.

Der frühere Stürmer Kuntz, der 1995/1996 unter Christoph Daum für Beşiktaş Istanbul spielte, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr direkt zu schaffen, muss die Türkei in der Gruppe G den ersten Platz belegen. Als Zweiter bestünde noch die Chance über die Playoffs. Derzeit belegt die Türkei mit elf Punkten aus sechs Spielen den dritten Rang hinter den Niederlanden und Norwegen (jeweils 13). Beim Debüt von Kuntz geht es am 8. Oktober im direkten Duell gegen Norwegen, drei Tage später steht das Auswärtsspiel in Lettland an. Vollmundige Ziele gab er für diese Partien nicht aus, nun gehe es darum, mit der Arbeit loszulegen. Er werde auf die Vereine zugehen, mit den Spielern und den Trainern sprechen, um sich ein möglichst vollständiges Bild der Lage zu machen.

Bierhoff: Man kann dem türkischen Verband „nur gratulieren“

Der DFB bestätigte den Abschied des erfolgreichen Übungsleiters. Manager Oliver Bierhoff erklärte: „Für mich steht außer Frage, dass Stefan die Fähigkeit besitzt, Trainer einer A-Nationalmannschaft zu sein. Und das kann er nun in der Türkei auf einer großen Bühne beweisen.“ Dem türkischen Verband könne man „zu dieser Verpflichtung nur gratulieren, er bekommt einen absoluten Toptrainer. Und wir sind stolz darauf, dass wir mit dem DFB Stefans Weg begleitet und ihn gefördert haben.“

dpa/dtj