Türkischunterricht in Deutschland

Länder wollen Türkischunterricht in Deutschland kritisch begleiten

Türkisch und Heimatkunde – von der Türkei für zehntausende Schüler in organisiert. Ist das noch zeitgemäß, während in der Türkei Regimegegner verfolgt und Menschen aus politischen Gründen inhaftiert werden?

Angesichts der Spannungen zwischen Berlin und Ankara sehen die Bundesländer den von der Türkeiorganisierten Türkischunterricht in Deutschland zunehmend kritisch. Die meisten Länder, in denen es solchen Unterricht gibt, wollen aber vorerst daran festhalten. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur anlässlich einer Sitzung der Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstag in .

KMK-Präsidentin Susanne () sprach von intensiven Beratungen. «Die Länder werden dieses Thema weiterhin sehr kritisch begleiten.» Neue Beratungen über gemeinsame Schritte mit dem Bund seien möglich, sagte die Kultusministerin Baden-Württembergs.

Die Kurdische Gemeinde hatte den Verdacht geäußert, dass es türkische Spione unter den Konsulatslehrern gebe. «Der dort vermittelte Nationalismus lässt sich mit unserem Grundgesetz nicht vereinbaren», sagte Generalsekretär Cahit Basar der «Heilbronner Stimme».

Lehrer werden von Türkei bezahlt

Beim türkischen Konsulatsunterricht bekommen Kinder, deren Eltern aus der Türkei stammen, in Deutschland Türkisch und Heimatkunde beigebracht. Die Lehrer werden vom türkischen Staat ausgewählt und bezahlt. Doch mit der Kritik daran sind mehrere Länder zurückhaltend.

Nicht berechtigt seien Bedenken, dass dabei von langer Hand eine unangemessene Staatsdoktrin oder Ideologie etwa im Sinn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vermittelt würde, sagte Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) der dpa. «Bei der Beschäftigung mit dem Konsulatsunterricht wurde uns deutlich, dass es den ernstzunehmenden Wunsch gibt, etwas vom Heimatland zu erfahren.»

Atatürk-Traditionen werden ungefiltert weitergegeben

Allerdings sei dieser nach dem normalen Schulbetrieb erteilte Unterricht pädagogisch altmodisch, zudem würden unter anderem ungefiltert Atatürk-Traditionen weitergegeben, sagte Rabe. Bayerns Minister Ludwig Spaenle () mahnte, Konsulatsunterricht dürfe nicht zu nationalen oder politischen Zwecken missbraucht werden.

Die Bremer Bildungsverwaltung verwies auf mögliche Interventionen, wenn die türkische Regierung problematische Inhalte in den Unterricht einbringe. Derzeit würden Lehrpläne intensiv überprüft. «Wir halten zunächst an unserem Konzept fest», hieß es weiter.

Durch ein eigenes Angebot ersetzt werden soll der von Konsulaten angebotene Unterricht im Saarland. «Wir wollen den Umstand beheben, dass derzeit von Seiten des Saarlandes keine Dienst-, Fach- oder Rechtsaufsicht über den muttersprachlichen Ergänzungsunterricht besteht», sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Geplant sei eine Neufassung der entsprechenden Verordnung.

nicht unter Generalverdacht stellen

Auch Hamburgs Senator Rabe favorisiert Angebote wie etwa Türkischunterricht im staatlichen Schulbetrieb. Dies könnten etwa Wahlpflichtkurse oder Angebote einer zweiten oder dritten Fremdsprache sein. Auch Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) setzt auf mehr Angebote für Migrantenkinder an staatlichen Schulen. Der türkische Konsulatsunterricht dürfe aber auch nicht unter Generalverdacht gestellt werden, sagte ein Sprecher. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sieht «Veranlassung, über die Inhalte des Lehrplans für türkischen Konsulatsunterricht zu sprechen», wie sie der dpa sagte.

Konsulatsunterricht gibt es nicht nur für türkischstämmige Kinder. Bei der Einrichtung der Angebote vor vier Jahrzehnten war das Motiv, dass Kinder von Gastarbeitern vorbereitet werden sollten, in die Heimat der Eltern zurückzukehren. Laut KMK-Sekretariat gibt es ihn in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, dem Saarland und Schleswig-Holstein. In den neuen Ländern und Rheinland-Pfalz wird er nicht angeboten. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen besteht die Möglichkeit, er findet jedoch wegen Angeboten an staatlichen Schulen kaum statt.

Rabe teilte mit, Schulräte hätten den Konsulatsunterricht in der Hansestadt inspiziert. Die Besuche seien nur möglich geworden, weil der Senat den Unterricht mit rund 50 000 Euro pro Jahr unterstütze.

Pro Schüler kosten zwei zusätzliche Wochenstunden Türkisch an staatlichen Schulen laut der Hamburger Bildungsbehörde rund 800 Euro im Jahr. «Es ist jedoch wichtig, die der Schülerschaft auch im Unterricht abzubilden», sagte ein Sprecher.