Lira unter Druck: Die türkische Währung fällt gegenüber US-Dollar und Euro fast täglich auf ein neues Rekordtief. Außerdem bringt sie die ohnehin geschwächte Wirtschaft in Bedrängnis. Welche Szenarien drohen.

Historischer Tiefstwert: Die Lira steuert auf ein Rekordtief zu. Seit Jahresbeginn hat die türkische Währung rund ein Drittel an Wert verloren – auf das Jahrzehnt gerechnet sind es sogar mehr als 80 Prozent. Inzwischen sind zehn US-Dollar mehr als 79 Lira wert, ein Euro kostet umgerechnet 9,32 Lira.

Das stürzt die ohnehin geschwächte Wirtschaft des Landes in eine neue Krise. Und die Unternehmen im Land von Präsident Recep Tayyip Erdoğan geraten immer mehr in Bedrängnis. Die Folgen sind in Pandemie-Zeiten nicht abzusehen – und die Prognosen sind wenig optimistisch.

Werden Wirtschaftsdaten der Türkei „frisiert“?

Zwar ziehen die Investitionen im Land wieder an, doch indes zerstören Gerüchte über manipulierte Wirtschaftsdaten des Landes das Vertrauen in die Türkei. Der deutschen Commerzbank zufolge erklärte Birol Aydemir, vormals Chef des türkischen Statistikamts Turkstat, öffentlich, dass die amtlichen türkischen Daten „frisiert“ seien.

Wie glaubhaft die Aussagen Aydemirs, der mittlerweile in der Opposition aktiv ist, sind, ist fraglich. Dennoch würde es in der demokratiefeindlichen Atmosphäre in der Türkei ins Bild passen, wenn eine vormals unabhängige Organisation wie das oberste Statistikamt vom Präsidentenpalast gelenkt würde. Hinzu kommt: Für mehr Vertrauen in die türkische Ökonomie sorgen die Aussagen sicher nicht.

Wechselkursverluste befeuern Insolvenzen

Zurück zum Lira-Kurs: Sie belasten die Wirtschaft dramatisch. Denn Wechselkursverluste sorgen häufig für eine höhere Inflation bei Produzenten. Sie müssen international gehandelte Rohstoffe wie Erdöl oder -gas an den Weltmärkten teurer einkaufen. Ihre Spielräume schwinden und die Reserven werden aufgebraucht.

In der Folge führt ein solches Szenario zu einer hohen Zahl an Insolvenzen. Insgesamt würde die Wirtschaftsleistung des gesamten Landes sinken. Die schlimmen Konsequenzen der aktuellen Entwicklung sind absehbar – auch wenn das in Ankara aktuell kein beliebter Blinkwinkel sein dürfte.