Der "Kanal Istanbul", zu sehen in einem Werbevideo der Regierung. Foto: Screenshot

In der Türkei sollen in den kommenden Monaten die Bauarbeiten für die umstrittene neue Wasserstraße durch Istanbul aufgenommen werden. Währenddessen startet der Bürgermeister Imamoğlu eine Petition gegen den Kanal.

„So Gott will werden wir in den Sommermonaten den Grundstein legen“, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Mittwoch. Die Ausschreibung werde „sehr bald“ erfolgen. „Ob ihr wollt oder nicht, wir werden mit dem Kanal Istanbul beginnen, ihn bauen und in den Dienst unseres Volkes stellen.“

Erdoğan will seit Langem eine alternative Wasserstraße zu der Meerenge Bosporus bauen lassen. Der „Kanal Istanbul“ – geplant zwischen Marmarameer und Schwarzem Meer – gilt als ambitioniertes und gleichzeitig umstrittenes Prestigeprojekt des türkischen Präsidenten.

An beiden Seiten des Kanals werde ein Stadtgebiet für insgesamt 500.000 Menschen entstehen, sagte Erdoğan. Experten warnen vor irreparablen Schäden am Ökosystem um Istanbul und davor, dass Trinkwasserressourcen gefährdet würden. Manche Experten befürchten auch, die Gefahr eines Erdbebens könne durch den Bau in dem ohnehin stark gefährdeten Gebiet weiter erhöht werden. Ekrem Imamoğlu, Bürgermeister von Istanbul, startete vor einigen Tagen eine Petition gegen den Bau. Auf der Webseite www.kanal.istanbul können Istanbuler sich über die Risiken informieren und ein Einspruchsformular ausfüllen. Ankara hat hingegen eine Webseite eingerichtet, wo Argumente für den Kanal erklärt werden.

Bosporus entlasten?

Erdoğan argumentierte am Mittwoch erneut, der „Kanal Istanbul“ sei unumgänglich, um den Bosporus zu entlasten. Der Schiffsverkehr dort nehme kontinuierlich zu. Nach einer Statistik der Direktion für Küstensicherheit nimmt die Anzahl der Schiffe seit einigen Jahren ab, Größe und Gewicht der Schiffe nehmen insgesamt aber zu.

Die Wasserstraße soll 45 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle am Grund 275 Meter breit werden und damit länger und schmaler als der Bosporus, der etwa 27 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle 698 Meter breit ist. Erdoğan hatte das Thema „Kanal Istanbul“ bereits im Jahr 2011, damals als Ministerpräsident, auf die Tagesordnung gebracht.

dtj/dpa