Tor für illegale Migration? Der Flughafen Ercan steht im nördlichen Teil Nikosias und war der erste Flugplatz der zyprischen Hauptstadt. Foto: Ercan Havalimanı

Immer mehr Flüchtlinge suchen Zuflucht im EU-Land Zypern. Viele von ihnen kommen aus der Türkei. Entsteht eine neue Fluchtroute über die Türkei und Nordzypern? Die Hintergründe.

Allein im Oktober dieses Jahres sind in Zypern gut 1.700 Migranten angekommen. 85 Prozent dieser Menschen kamen auf der Route Türkei-Nordzypern und danach in die von der Regierung Zyperns kontrollierten Gebiete im Süden der Insel (DTJ-Online berichtete). Seit Jahresbeginn sind im Süden der Insel 10.350 Migranten angekommen.

Dies berichtete am Donnerstag die zyprische Presse unter Berufung auf den zyprischen Innenminister Nicos Nouris. Er warf der Türkei vor, diesen Zustrom von verzweifelten Menschen nicht zu stoppen. „Diese Menschen kommen nicht zu Fuß nach Zypern. Sie kommen aus Istanbul per Flugzeug (nach Nordzypern und von dort in den Süden)“, wurde der Innenminister zitiert. Ankara versuche damit Zypern zu destabilisieren, hieß es aus Regierungskreisen in Nikosia.

Grenzlinie durchlässig

Der Inselstaat hat bereits eine elf Kilometer lange Absperrung entlang der Grenzlinie zwischen Süd- und Nordzypern gebaut. Der Stacheldrahtzaun steht im Westen der geteilten Hauptstadt Nikosia. Dieser soll nun weiter ausgebaut werden, hieß es aus Regierungskreisen.

Im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße gingen laut EU-Statistik 2020 die meisten Asylanträge in der EU in Zypern ein. Vor allem das Flüchtlingslager Pournara mit einer Aufnahmekapazität für 1.200 Menschen ist so überfüllt, das mittlerweile rund 200 Migranten außerhalb des Lagers in Zelten ausharren müssen, berichtete die Zeitung „Phileleftheros“ am Donnerstag.

dpa/dtj