Seit einigen Jahren wird Hetze und Rassismus in den Kommentarspalten der sozialen Medien immer salonfähiger. Nun ist auch unser Portal direkt in einen Fall verwickelt.

Was war passiert? Unsere Kolumnistin Sabine Schiffer hatte am 14.07.2014 einen Beitrag verfasst, in dem sie über Morddrohungen des Facebook-Users Eduard Schritter gegen eine Professorin für Genderstudien und Politiker berichtete.

Eigentlich wäre diese Kolumne ein Fall für die Polizei und andere Strafverfolgungsbehörden. Jedoch führte sie nicht zur Verfolgung des Drohenden, sondern des Berichterstatters – also DTJ. Der mutmaßliche Täter behauptet nun, dass sein Facebook-Account gehackt worden wäre, wobei er bis heute jeden Nachweis dafür schuldig bleibt. Mittlerweile ist das angeblich gehackte Facebook-Konto gelöscht.

Süleyman Bağ, Chefredakteur des DTJ, sieht sich in der Sache im Recht: „Es gehört zum Journalismus, dass man für das, was man veröffentlicht, auch Rechtsstreitigkeiten in Kauf nehmen muss, wenn man den Finger in die Wunde legt. In diesem Fall haben wir auf einen Missstand auf Facebook hingewiesen. Das war nötig und richtig. Auch die anderen im besagten Artikel zitierten Vergehen, etwa die Aufforderung zur Vergewaltigung, sind unseres Wissens bis heute nicht verfolgt worden. Dass Facebook gerade in diesen Tagen ein Zentrum in Deutschland eröffnet, um gegen Hassbotschaften vorzugehen, bestätigt unsere Haltung.“

Die Staatsanwaltschaft Berlin verwendet enorme Energie darauf, die Autorin wie auch DTJ in Sachen Rufschädigung anzugehen. Zusätzlich hat Herr Schritter das Landgericht Saarbrücken bemüht, wo am 28. Januar um 10.30 Uhr der erste Verhandlungstag im Zivilverfahren Schritter / DTJ stattfinden wird. Der Prozess ist öffentlich.

Bağ hofft auf eine rege Teilnahme von DTJ-Lesern und Interessierten: „Die sozialen Medien, gerade Facebook, spielen für die Bildung der öffentlichen Meinung eine zunehmend wichtige Rolle. Die Kölner Debatte hat uns wiederholt gezeigt, dass die Stimmung in den sozialen Medien sich in die reale Welt überträgt. Deswegen ist es keine Lappalie, wenn Morddrohungen gegen eine reale Person ausgesprochen werden.“