Mehmet Özakın (Erol Sander) und seine „Ex“ Sevim (Idil Üner) befragen als Ermittlerduo einen Strandbar-Betreiber (Asteris Peltekis). Foto: ARD Degeto/Marilena Anastasiadou

Als Kommissar Özakın reist Erol Sander zur „Entscheidung in Athen“. Es ist der 23. und letzte Fall der beliebten Krimireihe. Der TV-Star erzählt, was die Dreharbeiten so ungewöhnlich machte.

So und so: Einiges ist dramatisch am letzten Fall der beliebten ARD-Krimireihe „Mordkommission Istanbul“. Zum einen dürften es etliche Zuschauer und wohl auch Mitwirkende als kleines Drama empfinden, dass die seit 2008 ausgestrahlten Fälle um den Ermittler Mehmet Özakın (Erol Sander) mit der 23. Episode „Entscheidung in Athen“ enden wird. Zum anderen gerät der Film am Samstag um 20.15 Uhr im Ersten besonders actionreich und packend. Und nicht zuletzt gestalteten sich die Dreharbeiten im vergangenen Herbst in der griechischen Hauptstadt dramatisch – denn der Regisseur Ismail Şahin („Soko Leipzig“) musste Corona-bedingt für acht Tage in Quarantäne.

„Das war zunächst eine böse Überraschung in der zweiten Woche“, sagt der in München lebende Hauptdarsteller Sander der Deutschen Presse-Agentur. „Es kam heraus, dass unser Regisseur, der sich seit Wochen vorbereitet hatte, Erstkontakt hatte. Doch glücklicherweise konnte er dann seine Arbeit vom Hotelzimmer aus leiten.“

Drehanweisungen per Skype und Handy

Skype-Technik machte es möglich: Ein Stick, mit dem man Internetverbindung hat, sowie eine Kamera und ein Handy auf einem Stativ in Richtung Regiepult, wo der Regisseur vor einem kleinen Fernseher saß, erlaubten ihm die Kommunikation mit seinem Team.

Unter den erschwerten Bedingungen hat das Abenteuer mit Romanfiguren von Hülya Özkan („Mord am Bosporus“) nicht gelitten. Etwas Besonderes ist das Wiedersehen mit Idil Üner („ZDF-Nachtschicht“) als Sevim. Sie ist in dem Krimi die Noch-Ehefrau des Kommissars, die sich schon vor einiger Zeit von ihm getrennt hat. Nun erhält Özakın in Istanbul von ihr erst einmal schriftlich das Scheidungsbegehren. Und kurz darauf erreicht ihn ihr Notruf aus Athen. Dort ist bei einem Einkaufsbummel Clara (Alexandra Kolaiti), die Tochter ihres neuen Lebensgefährten Steffen (Michael Rotschopf), verschwunden. Und Steffen, ein Investigativ-Journalist, reagiert nicht auf ihren Anruf. Doch diese Situation nimmt die griechische Polizei nicht ernst.

Athen statt Istanbul

Natürlich reist Özakın, der noch immer Gefühle für Sevim hegt, nach Griechenland – um es bald mit einem gefährlichen Widersacher und einem wirtschaftlich und politisch brisanten Thema zu tun zu bekommen. Es geht um illegalen Sandabbau und die sogenannte Sandmafia in der Baubranche. Mit Sand, dessen übersteigerter Abbau vom Strand das Gleichgewicht der Natur und die Lebensgrundlagen von Menschen zerstört, wird der teure Beton gestreckt. Das gefährdet die Stabilität von Häusern in von Erdbeben gefährdeten Regionen wie Griechenland. Im Film ist es der Baulöwe Deimos Tzanidis (Yorgos Glastras), der mithilfe einer ehrgeizigen Politikerin (Antigoni Fryda) so zu Geld und Macht gelangen will.

Doch ausgerechnet Tzanidis‘ idealistischer Neffe Hektor (Yiannis Niarros) unterstützt Özakın, seine Ex-Partnerin und deren Freund darin, Clara zu finden und die Täter, die in den Besitz von Steffens Recherchematerial kommen wollen, dingfest zu machen. Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit.

Heimatgefühle

All das zeigt die Produktion der Ziegler Film im Auftrag der ARD-Tochter Degeto zu griechisch inspirierter Musik in schnittigen Bildern. Nach Athen war das Team, das zuvor „Einsatz in Thailand“ (2018) gedreht hatte, ausgewichen, weil das Arbeiten in der Türkei aufgrund der politischen Lage in der Region zusehends gefährlicher wurde. Hier liegt auch der Grund für das Aus der Krimireihe, das die damalige Degeto-Chefin Christine Strobl 2019 angekündigt hat. Dabei waren die Filme für den 1968 in Istanbul geborenen Hauptdarsteller Sander, der mit fünf Jahren nach Deutschland gekommen war, über viele Jahre eine tolle Möglichkeit, sein Herkunftsland gründlich kennenzulernen.

„Wir haben versucht, oft die Location zu wechseln, damit die Zuschauer das Land erleben können“, erzählt Sander der dpa. „Selbst ich habe die Türkei auf diese Art und Weise entdeckt. Wir waren in Anatolien, in Kappadokien, im Süden, am Schwarzen Meer, in Izmir, an Ost- und Westküste – überall. Die Perser, die Griechen, das Osmanische Reich – es gibt dort so viel Geschichte.“

Sander weiß nun, wo man Baklava und Lahmacun essen sollte

Kultur und Traditionen habe er zwar durch Urlaube und Besuche bei Freunden gekannt. Doch sei er zuvor nie in einem Kohlebergwerk am Schwarzen Meer oder an manch geheimen Ecken in Istanbul gewesen. Heute wisse er auch, wo es die besten Baklava und die Lahmacun gebe, meint Sander.

Nach seinem Job als türkischer ARD-Kommissar habe derzeit er keine konkreten Rollenwünsche, sagt der Schauspieler, den es immer wieder auch auf Bühnen (etwa zu den Nibelungen Festspielen Worms) zieht. Sander erklärt der dpa: „Ich bin zu allem bereit. Es gibt so viele Geschichten auf dieser Welt, von denen wir alle ein bisschen was erfahren sollten. Wenn ich in ein paar der Geschichten die Hauptrolle spielen dürfte, wäre ich total glücklich. Ich bin da echt offen.“

dpa/dtj