Krebskranker Ahmet Burhan
Foto: Selahattin Sevi/ kronosnews

Der leitende Arzt des krebskranken Ahmet Burhan hat eine OP abgelehnt. Ein Eingriff könne fatale Folgen haben. Dem war ein langer Kampf der Mutter gegen eine Ausreisesperre vorausgegangen. Die türkischen Behörden ließen sie zunächst nicht ausreisen, dann aber doch. Jetzt ist die Familie in die Türkei zurückgekehrt.

Es war ein langes Hin und Her um die Ausreiseerlaubnis von Zekiye Ataç. Erst wurde der Frau die Ausreise aus der Türkei nicht erlaubt, weil gegen sie ermittelt wurde. Dann hob die Staatsanwaltschaft auf Drängen der Öffentlichkeit die Ausreisesperre auf. Nur einen Tag später aber wurde diese Entscheidung von einem Gericht erneut widerrufen. Der Fall hatte für große Aufmerksamkeit gesorgt, weil der Ausreisewunsch der Frau einen tragischen Hintergrund hatte (DTJ berichtete). Der Sohn von Zekiye Ataç ist nämlich krebskrank, genauer gesagt leidet er an Knochenkrebs. Dafür ist eine umfassende Strahlentherapie notwendig, die es in dieser Form in Deutschland gibt.

So kam der achtjährige Ahmet Burhan Ataç mehrmals nach Deutschland, um sich der Behandlung zu unterziehen. Diese ist für einen Jungen in seinem Alter besonders hart. Deshalb wollte er seine Mutter während der Behandlung bei sich haben. Der Vater von Ahmet ist nämlich inhaftiert. Ihm werden Verbindungen zur Bewegung des in den USA lebenden Fethullah Gülen nachgesagt. Die türkische Regierung wirft der Gülen-Bewegung vor, Drahtzieher des Putschversuchs vom 15. Juli 2016 zu sein. Bislang bleibt das aber trotz einiger Ungereimtheiten unbelegt. Auch gegen die Mutter gibt es Ermittlungen wegen ähnlicher Vorwürfe.

„Ahmet braucht seine Mutter“

Aufgrund dessen wurde Ahmet auf dem Weg nach Deutschland von seiner Großmutter begleitet. Doch der Wunsch des schwer kranken Jungen nach seiner Mutter war groß. In einem Interview mit Euronews erzählte die Großmutter, dass ihr Enkel nachts sehr starke Schmerzen habe und nicht schlafen könne. „Er sagt ständig, dass er zu seiner Mutter und seinem Vater will“, so die Oma. „Sie sollen uns endlich hören. Dieses Kind ist krebskrank und will, dass seine Eltern bei ihm sind.“

Ausreisesperre doch aufgehoben

Als dann vor wenigen Wochen die Ausreisesperre überraschend aufgehoben wurde, konnte Ahmet mit der Mutter nach Deutschland fliegen. Hier wartete aber schon der nächste Schock für die Familie. Der Arzt diagnostizierte nach Angaben der Mutter weitere Tumore. Außerdem habe der Junge gebrochene Knochen und die Blutwerte seien schlecht. Deshalb habe der Arzt eine OP abgelehnt. Wenn man den Jungen so einer OP unterziehe, könne das zu viel für seinen Körper sein. „Diesmal war ich es, die traurig wurde und dessen Welt zusammenbrach“, so die enttäuschte Mutter.

Dafür macht Ataç auch die türkischen Behörden verantwortlich: „Sie haben mit dem Leben eines Kindes gespielt.“ Ataç weiter: „Ich sage es ganz offen. Ahmet Burhan ist wegen der nicht endenden Grausamkeit in einer solchen Situation. Stellen Sie sich mal vor, wir waren am Flughafen in Istanbul und wollten ins Flugzeug steigen, als die Polizeibeamten kamen und mir meinen Reisepass wegnahmen. Ich dürfe nicht wegreisen. Ich hatte die entsprechenden Dokumente des Gerichts bei mir. Dennoch ist all das vor den Augen eines kranken Kindes passiert. Ahmet musste hin und her transportiert werden. Dabei haben sie wohl die Schulter des Jungen gebrochen. Das haben wir erst in Deutschland erfahren.“

Foto: Selahattin Sevi/ kronosnews

Ahmet mit starken Schmerzen

Ahmet habe in Deutschland gesagt, dass er wegen starker Schmerzen seinen Arm nicht bewegen können. „Wir sind zu spät, man hat uns zu spät reisen lassen“, so die Mutter.

Nach der Diagnose des Arztes kehrte Ahmet zusammen mit seiner Mutter am Dienstagabend zurück in die Türkei. Wie das Exil-Medium Kronos News berichtet, sollen Ahmets Schmerzen weiter anhalten. Wie es nun mit ihm weitergeht, bleibt völlig offen. Eine weitere Reise nach Deutschland scheint ausgeschlossen.

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