Die beiden Staaten kamen seit 2002 insgesamt 60 Mal zusammen – zuletzt am 1. März 2016. Foto: Shutterstock

Griechenland und die Türkei werden die sogenannten „Sondierungsgespräche“ wieder aufnehmen. Das Treffen wurde für den 25. Januar in Istanbul angesetzt. Die Länder streiten über den Inhalt der Gespräche.

Die neue Runde der griechisch-türkischen Verhandlungen hatte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu wenige Stunden zuvor angekündigt. „Mit dem heutigen Tag laden wir Griechenland dazu ein, mit den Erkundungsgesprächen, von denen die erste Sitzung im Januar stattfinden soll, anzufangen“, sagte er im türkischen Fernsehen.

Mit einer baldigen Einigung rechnen politische Beobachter weder in Athen noch in Ankara. Die beiden Nato-Staaten haben nämlich unterschiedliche Ansichten über die Agenda der Gespräche. Man werde über „alle strittigen Themen mit Griechenland“ verhandeln, teilte Çavuşoğlu mit. Die Türkei sieht dieses Gespräch als eine Fortsetzung der Reihe, die am 12. März 2002 startete. Seitdem kamen die Staaten insgesamt 60 Mal zusammen – zuletzt am 1. März 2016.

Streit um Inhalte

Genau das aber will Athen nicht – aus Sicht der griechischen Regierung soll es bei den Gesprächen nur um die Differenzen über die Ausschließlichen Wirtschaftszonen der Länder gehen, um abschließend zu klären, wer wo Erdgas und andere Bodenschätze ausbeuten darf.

Andere strittige Bereiche, darunter die von der Türkei geforderte Demilitarisierung griechischer Inseln in der Ostägäis, der legale Status mancher kleinerer Inseln, die als griechisch gelten, sowie die Aufteilung des Luftraums über der Ägäis will Athen bei den Sondierungsgesprächen nicht behandeln.

Griechenland wirft der Türkei vor, in Meeresgebieten nach Erdgas zu suchen, die nach internationalem Seerecht nur von Griechenland ausgebeutet werden dürften. Nach Lesart Ankaras gehören diese Gebiete aber zum türkischen Festlandsockel.

Erdoğan hofft auf „neue Ära“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan setzt hohe Erwartungen in die Gespräche mit Griechenland zur Beilegung des Erdgasstreits. „Ich glaube, so Gott will, werden die Sondierungsgespräche mit unserem Nachbarn Griechenland am 25. Januar eine neue Ära einleiten“, sagte Erdoğan am Dienstag in Ankara. Gleichzeitig rief er Griechenland dazu auf, „die Eskalation der Spannungen“ nicht weiter voranzutreiben.

Der Konflikt zwischen beiden Ländern war im vergangenen Jahr immer wieder hochgekocht, hatte sich zuletzt jedoch beruhigt – unter anderem weil die Türkei ihr Forschungsschiff „Oruç Reis“ aus den umstrittenen Gewässern zurückgezogen hat. Neben Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte vor allem die Bundesregierung versucht, in dem Streit zu vermitteln. Doch weder Außenminister Heiko Maas noch Kanzlerin Angela Merkel konnten Ankara und Athen bisher an einen Tisch bringen.

dpa/dtj