Am späten Dienstagabend hatte Erdoğan dem staatlichen Fernsehsender TRT gesagt, dass er mit dem Notenbankchef gesprochen habe und eine Zinssenkung "eine Notwendigkeit" sei. Foto: Screenshot/TRT

Der Präsident der türkischen Notenbank, Şahap Kavcıoğlu, hat Erdoğans Aussagen über eine baldige Zinssenkung der Zentralbank widersprochen.

Erwartungen an eine frühe Lockerung der Geldpolitik, die nicht gerechtfertigt sei, seien fehl am Platz, ließ Kavcıoğlu am Mittwoch während einer Konferenz vor Investoren verlauten. Die Aussagen sind auch in einer entsprechenden Präsentation auf der Internetseite der Notenbank zu finden.

Die Äußerungen folgen auf Bemerkungen von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der am Abend zuvor eine baldige Zinssenkung ins Spiel gebracht hatte. Am Dienstag hatte Erdoğan dem staatlichen Fernsehsender TRT gesagt, dass er mit dem Notenbankchef gesprochen habe und eine Zinssenkung „eine Notwendigkeit“ sei. Als möglichen Zeitpunkt nannte er die Sommermonate Juli und August. Nach diesen Aussagen wurden in der Nacht zum Mittwoch für einen Dollar zeitweise bis zu 8,80 Lira gezahlt und damit so viel wie noch nie. Auch im Handel mit dem Euro wurde ein Rekordtief erreicht. Für einen Euro mussten zeitweise bis zu 10,75 Lira gezahlt werden. Im Tagesverlauf beruhigte sich die Lage etwas.

Erdoğan setzt Notenbankchefs unter Druck – und ab

Zuvor hatte Erdoğan bereits mehrfach die Ansicht vertreten, dass man die hohe Inflation im Land mit sinkenden Zinsen bekämpfen solle. Dies widerspricht ökonomischen Grundsätzen. Erst im März hatte Erdoğan zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate den Chef der Zentralbank ausgetauscht. Kavcıoğlu, ehemaliger Abgeordneter von Erdoğans Regierungspartei AKP, wurde Nachfolger des geschassten Naci Ağbal.

Nicht zuletzt der Druck auf und die Wechsel an der Führungsspitze der Notenbank haben das Vertrauen der Finanzmärkte in die Geldpolitik des Landes nachhaltig erschüttert sowie die Hoffnung auf eine konsequente Inflationsbekämpfung zerschlagen.

dtj/dpa