ARCHIV: Die türkische Universitätsdozentin Nuriye Gülmen (l) und der türkische Grundschullehrer Semih Özakca

Die Ärztekammer in Ankara hat sich hochgradig besorgt über zwei türkische Akademiker geäußert, die seit mehr als 300 Tagen per Hungerstreik die Rücknahme ihrer Entlassungen aus dem Staatsdienst fordern. Die Universitätsdozentin Nuriye Gülmen sei von 59 Kilogramm auf inzwischen nur noch 33,8 Kilogramm abgemagert, teilte die Kammer am Freitag mit. Der Grundschullehrer Semih Özakca, der zu Beginn des Hungerstreiks am 9. März 86 Kilogramm schwer gewesen sei, wiege nur noch 45,3 Kilogramm.

Die Dozentin und der Lehrer gehören zu mehr als 150 000 Staatsbediensteten, die nach dem Putschversuch vom Juli 2016 per Notstandsdekret entlassen oder suspendiert wurden. Nachdem ihr Hungerstreik Aufmerksamkeit auch außerhalb der Türkei auf sich gezogen hatte, waren sie im Mai unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation inhaftiert worden. Özakca wurde im Oktober, Gülmen im Dezember aus der Untersuchungshaft entlassen.

Wunden im Mund von Gülmen 

Die Ärztekammer teilte mit, Gülmen haben infolge der Schwächung der Abwehrkräfte und des Vitaminmangels Wunden im Mund, was die Aufnahme von Flüssigkeit erschwere. Sie leide außerdem an schweren Sinnesstörungen und Ödemen an den Beinen. Nach einem Sturz sei eine «fortgeschrittene Osteoporose» wegen Mineralmangels festgestellt worden. Özakca leide unter anderem unter Taubheitsgefühlen, Knochenschmerzen, tagelang anhaltenden Kopfschmerzen, zunehmenden Gleichgewichtsstörungen und plötzlichen Blutdruckschwankungen.

Gülmen und Özakca nehmen seit dem 9. März vergangenen Jahres nur Wasser, Zucker, Salz und Vitamin B zu sich. Sie wollen ihren Hungerstreik fortsetzen, bis sie ihre Arbeit zurückerhalten.

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dpa/dtj