Pfarrer Gregor Hohberg (l-r), Rabbiner Andreas Nachama und Imam Kadir Sancı stehen im Berliner Bezirk Mitte vor den Resten der im Krieg zerstörten Petrikirche und nehmen an der Grundsteinlegung für das Mehrreligionengebäude "House of One" in Berlin teil. Mit dem House of One entsteht ein Sakralbau mit einer Synagoge, einer Kirche und einer Moschee unter einem Dach. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Es ist Kirche, Synagoge und Moschee: In Berlin wird das Mehrreligionen-Gebäude House of One gebaut. Ein Haus, das die Religionen zusammenbringt – ein Signal in politisch angespannten Zeiten.

Christen, Muslime und Juden werden in Berlin in Zukunft unter einem Dach ihre Gottesdienste feiern können. Mit dem House of One bekommt die Hauptstadt ein gemeinsames Haus, das als Kirche, Synagoge und Moschee die Gläubigen der drei großen monotheistischen Religionen aufnehmen kann. Am Donnerstag wurde die Grundsteinlegung für das Gebäude an der Leipziger Straße gefeiert. Nach vier Jahren Bauzeit erhalte Berlin damit einen Ort zur Verständigung zwischen den Religionen, erklärten die Initiatoren.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sprach von einem „Ort der Toleranz und Offenheit“. Das House of One habe einen hohen theologischen Anspruch: „Offen andere spirituelle Perspektiven wahrnehmen, in gegenseitigem Respekt – ohne dabei selbst den Anspruch zu erheben, Judentum, Christentum und Islam in Gänze zu repräsentieren“, sagte Schäuble. Er betonte die Bedeutung des Dialogs zwischen den Religionen und prangerte Fanatismus und Gewalt an. „Wir sehen es auch in Deutschland: Die jüngsten antisemitischen Ausschreitungen als Folge der Gewalteskalation in Israel missbrauchen die Religion für politische Zwecke.“

„Kein Platz für Hass“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte mit Blick auf Vorfälle bei Demonstrationen, es sei wichtig, dass in der deutschen Hauptstadt dramatische Weltkonflikte diskutiert werden könnten. „Aber Hass und Gewalt, Antisemitismus und Islamophobie, Rassismus und Volksverhetzung haben in unserer freien Gesellschaft keinen Platz.“ Gerade vom heutigen Tag gehe die Botschaft aus: „Berlin bekennt sich zu Toleranz und Weltoffenheit.“

Federführend beim House of One sind der evangelische Pfarrer Georg Hoberg, der Rabbiner Andreas Nachama und der Imam Kadir Sancı. Sie hatten vor zehn Jahren das Projekt gestartet. Die Kosten für das Bet- und Lehrhaus liegen bei 47 Millionen Euro, davon trägt der Bund 20 Millionen Euro, weitere zehn Millionen das Land Berlin. Aus Spenden und Zuwendungen sei bereits ein großer Teil der Baukosten inzwischen abgedeckt. Die verbleibende Lücke von knapp acht Millionen Euro soll über weitere Spenden geschlossen werden (wer das Projekt unterstützen möchte, kann das über diesen Link tun).

Bauort ist ehemalige Kirche

Der 46 Meter hohe Sakralbau, für den rund 2,3 Millionen Ziegel gebrannt werden, entsteht nach Plänen des Berliner Architekturbüros Kuehn Malvezzi auf den Fundamenten der einstigen Petrikirche in der Nähe des Spittelmarktes. Das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Gotteshaus wurde zu DDR-Zeiten abgerissen. Bis zum konkreten Beginn der Bauarbeiten im Herbst stehen an dem Ort noch weitere archäologische Arbeiten an. Auf dem ehemaligen Friedhof der Petrikirche hatten Archäologen bereits fast 4000 Skelette geborgen. Die Bauarbeiten sollen etwa vier Jahre dauern.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rief anlässlich der Grundsteinlegung des Mehrreligionen-Gebäudes zu mehr gegenseitigem Respekt auf. „Das Projekt House of One setzt gerade jetzt ein wichtiges Zeichen“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Antisemitismus und Islamophobie nehmen zu. Aber sie führen in die Irre, weil sie Hass schüren und potenziell in Gewalt münden.“

Gülen-Bewegung als „Pionier“

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte, das Projekt fördere das Gespräch der Religionen miteinander anstatt übereinander. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sagte dem RND, gerade in diesen Zeiten würden interreligiöse Kooperationen wie das House of One benötigt. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, ergänzte, die Zurückweisung jeder Form von Ausgrenzung und Hass aufgrund einer Religionszugehörigkeit sei ein Gebot der Stunde.

Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung und Mitgründer des Projekts, unterstrich die Bedeutung des muslimischen Partners: „Es gibt in Deutschland vermutlich keine zweite muslimische Gruppierung, die sich so stark für den Dialog zwischen den Religionen engagiert wie die Hizmet-Bewegung (auch bekannt als Gülen-Bewegung, Anm. d. Red.). Wir werden als Pioniere weiterhin versuchen, die anderen Musliminnen und Muslime im Projekt einzubinden, auf dass der Dialog auch innerhalb der muslimischen Community zur Normalität wird“.
dpa/dtj