04.11.2019, Türkei, Istanbul: Nazli Ilıcak lächelt mit Tränen in den Augen neben ihrem Sohn Mehmet Ali Ilıcak, nachdem sie aus dem Gefängnis entlassen wurde. Foto: ---/DHA/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach mehr als drei Jahren Haft hat ein türkisches Gericht die Freilassung von Ahmet Altan und Nazlı Ilıcak angeordnet. Die zwei prominenten Journalisten wurden zuvor allerdings zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Unterstützung einer Terrororganisation verurteilt. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montagabend.

Das Istanbuler Gericht verurteilte Altan demnach zu zehn Jahren und sechs Monaten Haft. Ilıcak erhielt eine Strafe von acht Jahren und neun Monaten. Sie wurden unter Auflagen freigelassen und müssen sich künftig regelmäßig bei der Polizei melden. Ihre bereits abgesessene Zeit im Gefängnis wurde ihnen angerechnet. Ahmet Altans Bruder, der Ökonomieprofessor und Autor Mehmet Altan, wurde wegen mangelnder Beweise freigesprochen. Familienangehörige und Freunde empfingen die freigelassenen Journalisten und fielen sich beim Anblick fast ungläubig in die Arme.

Angebliche Gülen-Verbindung Grund für Verhaftung

Mit Terrororganisation ist, so jedenfalls die Interpretation der türkischen Führung, die Gülen-Bewegung gemeint. Ankara macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Gülen weist die Vorwürfe nach wie vor von sich. Ahmet Altan und Ilıcak waren kurz nach dem Umsturzversuch verhaftet worden. Im Februar 2018 waren sie wegen angeblicher Gülen-Verbindungen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein höheres Gericht hob die Haftstrafen im Juli jedoch wieder auf und wies den Fall an das untergeordnete Gericht zurück.

Ahmet Altan war Chefredakteur der heute eingestellten Zeitung „Taraf“. Ilıcak hatte in der Vergangenheit für die regierungsnahe Zeitung „Sabah“ und für die inzwischen eingestellte Gülen-nahe Zeitung „Bugün“ geschrieben.

Ahmet Altan kann sich „nicht so recht freuen“

Ahmet Altan erklärte in einem ersten Statement gegenüber anwesenden Journalisten, dass er sich „nicht so recht freuen könne“ über seine Freilassung. „Es sind noch so viele (junge) Kollegen drin. Sie sind unschuldig, aber müssen trotzdem im Gefängnis bleiben“, drückte er sein Mitgefühl aus. Altan erinnerte auch an die „tausenden Insassen“, die wegen angeblicher Beteiligung am Putsch verhaftet wurden, aber unschuldig seien.

Er habe die Zeit hinter Gittern genutzt, um viel zu lesen und Bücher zu schreiben. Daher sehe er die Zeit nicht als verloren an. „Am meisten habe ich es vermisst, in den Himmel aufzuschauen“, so Altan abschließend.