Ramadan-Lexikon: Es heißt nicht Fastenbrechen, sondern Iftar

Der Fastenmonat Ramadan hat bereits begonnen. Muslime befinden sich derzeit in einer heiligen Zeit. In diesem Monat, arabisch Ramadan, verzichten sie nicht nur auf Essen und Trinken, sondern üben sich auch in Bezug auf andere Dinge des Alltags in Zurückhaltung und Verzicht. Ziel ist es, am Ende des Monats sowohl eine körperlich als auch geistige Erneuerung zu erfahren.

In diesem Zusammenhang tauchen verschiedene Begriffe auf, deren Bedeutung auch für Muslime auf den ersten Blick nicht sofort verständlich ist. Nicht alle haben Eingang in den (deutschen) Wortschatz gefunden und bedürfen daher meist einer Erklärung.

Ramadan

Der Monat Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Er ist der meistverehrte und gesegnete Monat des islamischen Jahres. Im Mondkalender beginnen die Monate, wenn die erste Mondsichel gesichtet wird. Da der islamische Mondkalender etwa 11 Tage kürzer ist als das Sonnenjahr, wandert der Ramadan durch die Jahreszeiten. Der Gläubige wird deshalb in seinem Leben mit dem Fasten in den kurzen Wintertagen, aber auch, wie in diesem Jahr, in den langen Sommertagen konfrontiert – übersetzt bedeutet Ramadan übrigens „der heiße Monat“. Das Fasten beginnt mit der Morgendämmerung und endet bei Sonnenuntergang. Hierbei müssen die Fastenden auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr verzichten.

Iftar

Das Iftar, also Fastenbrechen, findet an jedem Ramadantag mit dem Sonnenuntergang statt. Dann kommt die Familie am Esstisch zusammen und bricht gemeinsam das Fasten. Der Tradition nach sollte man das Iftar mit einem Glas Wasser und einer Dattel beginnen, bevor man zu den Hauptgerichten übergeht. Diese Iftar finden meist in großer Runde mit verschiedensten traditionellen Gerichten statt. Der Fastende darf solange essen und trinken, bis die Sonne wieder aufgeht. Ärzte empfehlen, den Magen nicht übermäßig zu belasten, da dieser sich während des Ramadan verkleinert. Anschließend beginnt ein neuer Fastentag.

Sahur/Suhur

Das Sahur ist neben dem Iftar im Fastenmonat Ramadan eine wichtige Mahlzeit. Es ist quasi das Vorfastenfrühstück vor dem Fastenbeginn. Bevor die Sonne aufgeht, stehen viele Muslime noch einmal zum Sahur auf und frühstücken, um den Tag über gestärkt zu sein. Mit dem Gebetsruf für das Morgen-Gebet darf nichts mehr zu sich genommen werden. Empfohlen wird, zehn Minuten vorher mit dem Essen und Trinken aufzuhören. Die Gebetszeiten sind festgelegt und können speziellen Ramadan-Kalendern (sog. Imsakiye, im weitesten Sinne vergleichbar mit einem Adventskalender) entnommen werden.

Tarawih

Das Tarawih-Gebet ist neben den fünf Pflichtgebeten am Tag im Monat Ramadan ein zusätzliches Gebet. Dieses findet im Anschluss an das letzte Gebet am Tag statt. Der Tradition nach begeben sich die muslimischen Frauen und Männer in die Moscheen, um dort mit den Mitgläubigen das Gebet zu verrichten. Es ist ihnen freigestellt, das Gebet auch zu Hause zu verrichten. Der Begriff „Tarawih“ kommt im Koran selbst nicht vor. Das Tarawih-Gebet besteht aus 20 Gebetsabschnitten und wird nicht am Stück, sondern in der Regel in fünf Teilabschnitten verrichtet. Das besondere: Das erste Tarawih findet am Abend vor dem ersten Fastentag statt, das letzte am vorletzten Abend des Ramadan

Eid al-Fitr

Eid al-Fitr, das Ramadanfest – oder auch Zuckerfest, wie es im Volksmund außerdem wird – bildet den Abschluss des Fastenmonats. Es findet in den ersten Tagen des Folgemonats statt und dauert drei Tage an. Da der islamische Kalender sich nach dem Mondkalender richtet, rotiert das Fest von Jahr zu Jahr und kann somit zu allen Jahreszeiten stattfinden. Der Tag wird festgelegt, wenn die Mondsichtung erfolgt. Dadurch kommt es gelegentlich in einigen Ländern zu unterschiedlichen Festlegungen des Festtermins. Das Eid al-Fatr verbringt man in der Familie und mit Freunden. Regelmäßiger Begleiter der Festtage sind verschiedenste Gerichte und vor allem Süßspeisen. Am ersten Tag des Fests darf ein Muslim nicht fasten.

Lailat al-Qadr

Die Lailat al-Qadr ist die heiligste Nacht des Islam. Sie bildet am 27. Tag des Ramadans den Höhepunkt des heiligen Monats. Übersetzt heißt sie „Nacht der Vorherbestimmung“ oder „Nacht der Allmacht“. In dieser Nacht begann die Offenbarung des Koran. Im Koran wird in der Sure „Suratu’l-Qadr“ über die Bedeutsamkeit dieser heiligen Nacht berichtet. An Lailat al-Qadr verbringen die Muslime die Nacht oft in Moscheen, um gemeinsam zu beten. Dem islamischen Glauben zufolge sollen alle Wünsche und Gebete in dieser Nacht erhört werden. Zwar wird diese Nacht offiziell am 27. Tag datiert. Doch empfohlen wird, die letzten 10 Tage des Ramadan jeweils wie ein Lailat al-Qadr zu verbringen.

Zakat

Die Zakat (Almosen), ist die dritte Säule im Islam. Das Spenden an die Armen ist somit verpflichtend für jeden Muslim. Die Zakat muss ebenfalls an Muslime gespendet werden. Möchte man jedoch eine freiwillige Spende machen (sadaka), so kann diese auch von Nicht-Muslimen empfangen werden. Als Grundlage zur Berechnung dient das Vermögen eines Gläubigen. Die Zakat wird im Ramadan verteilt.