Polizisten stehen im Mittelpunkt der neuesten rechtsextremistischen Chats deutscher Beamter. Foto: Unsplash / Yohann Libot
Neue Details aus rechtsextremen Chats deutscher Polizisten offenbaren ihr menschenverachtendes Weltbild. Die Ordnungshüter posteten eine inszenierte Hinrichtung der Bundeskanzlerin und teilten Bilder von Hakenkreuzen. 

Über einem Massengrab steht ein SS-Soldat. Vor ihm kniet eine Person. Die Pistole fest umklammert, richtet er sie auf sein Opfer. Es ist: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Fotomontage eines schwarz-weißen Originals von 1941 trägt den Schriftzug „gutenacht Angela“.

Dieses Bild wurde von deutschen Polizisten verbreitet. Es ist eine der besonders geschmacklosen Dateien, die in einer Whatsapp-Gruppe von Beamten des Polizeipräsidiums Essen/Mülheim an der Ruhr geteilt wurden (DTJ-Online berichtete).

Hitler-Bilder und Hakenkreuze

Der „Focus“ leakte nun aktuelle Ermittlungserkenntnisse des Skandals. Sie offenbaren das menschenverachtende Weltbild der Ordnungshüter. Den Recherchen des Magazins zufolge zeigen interne Auswertungen das gesamte Ausmaß des Falls. Demnach entdeckten die Ermittler in den knapp 8100 Nachrichten insgesamt 94 Text-, Video- und Bilddateien mit explizit fremdenfeindlichen Inhalten. Zum Teil verherrlichten sie den Nationalsozialismus.

Fünf Polizisten seien für den Großteil der volksverhetzenden Posts verantwortlich. Der Chatgruppe, die 2015 eigentlich zur Verabredung für gemeinsame Kegelrunden gegründet worden sein soll, gehörten 15 Beamte an. Auf den Bildern sind einige von ihnen zu sehen, wie sie beim Kegeln freudestrahlend vor einem Hakenkreuz am Spielboard posierten.

Studie belegt Fremdenfeindlichkeit unter Polizisten

Das Bildmaterial umfasst auch Hitler-Memes oder die Skizze eines „Türken-Monopoly, dessen Spielfeld lediglich einen Polizisten und den Schriftzug „Go to Jail“ umfasst. In einem Video wird eine „Abschiebehymne“ besungen. Und unter einem weiteren Hitlerbild sind die Worte „Neger? Die nehme ich als Brennholz“ zu lesen.

Die neuen Details verstören. Überraschend sind sie nicht. Zu häufig wurden Polizisten und Bundeswehrsoldaten in der vergangenen Monaten und Jahren mit rechtsextremem Gedankengut in Verbindung gebracht. Eine Studie belegte bereits lange vor Auftauchen der Chats die fremdenfeindlichen Tendebzen im deutschen Sicherheitsapparat (DTJ-Online berichtete).

Vertrauen in Polizei schwindet

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) beziffert die Zahl rechtsextremistischer Verdachtsfälle bei der Polizei in seinem Land seit 2017 auf 212. In 57 Fällen sehe die Staatsanwaltschaft „eine strafrechtliche Relevanz“. Die Zahlen erscheinen gering. Wie hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich indes kaum einschätzen.
Reul verspricht eine konsequente Aufklärung und kündigte strafrechtliche Konsequenzen für die beteiligten Beamten an. Dieses Versprechen muss er nun einlösen. Denn mit jedem neuen fremdenfeindlichen Eklat schwindet das Vertrauen in die Polizei – besonders bei Bürgern mit Migrationsgeschichte.