Die beliebte türkische Zeitung Sabah hat die berüchtigte Hotline für Denunziation für Landesverrätern aus dem vergangenen Jahr wieder ins Leben gerufen. Diese bislang viel kritisierte Hotline, bei der es konkret um sogenannte „FETÖ“ Mitglieder geht, wurde zwischenzeitlich von der Titelseite der Zeitung entfernt. Grund für die zwischenzeitliche Aufhebung könnten Gerichtsprozesse der Zeitung gewesen sein, die möglicherweise auch durch diese Hotline verursacht wurden. Die Sabah hat im vergangenen Jahr vor unzähligen deutschen Gerichten Rechtsstreite verloren und musste mehrfach Strafen zahlen. Einer der wichtigsten Fälle spielte sich vor dem Landgericht Wuppertal ab. Dort klagten drei Wuppertaler Sympathisanten der Gülen-Bewegung gegen diese Zeitung, nachdem sich dort ein AKP-Befürworter an die Denunziations-Hotline der Sabah gewandt hatte und diese drei Personen anschwärzte und verleumdete. Zunächst veröffentlichte die Sabah einen Artikel, ausgehend von den Aussagen des Erdogan-Befürworters, der sich explizit an die Denunziations-Hotline gewendet hatte, ohne die beschuldigten Personen anzufragen, bzw. sie mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Dieser verleumderische Artikel war der erste Schritt, der die beschuldigten Personen zu einem rechtlichen Schritt verleitete. Anschließend, nachdem bekannt wurde, dass sich die drei Personen für ihr Recht einsetzen, titelte die Zeitung im Gegenzug mit dem offenen Namen und beschuldigte sie, an der Seite der Putschisten in der Türkei zu stehen. Auch gegen diesen massiven und unbegründeten Vorwurf klagten die drei Betroffenen Wuppertaler. Das Landgericht Wuppertal prüfte den Fall und kam zu einem unmissverständlichen Urteil. Demnach darf die regierungsnahe Zeitung Sabah nicht mehr behaupten, dass bestimmte Mitglieder von deutschen Vereinen der Gülen-Bewegung einer Terror-Organisation angehören oder Menschen bedrohen, entschied das Landgericht Wuppertal und stellte klar, dass die Gülen-Bewegung in Deutschland nicht mit Terror in Vebrindung gebracht werden kann. Bei jedem Verstoß wird nach dem Urteil Ordnungsgeld fällig. Dieser würde maximal 250.000 Euro betragen. Falls nicht gezahlt wird, muss der Geschäftsführer mit Haft rechnen.

dtj Anruf bei Sabah Hotline für Denunziation

Nun ist die Hotline auf die Titelseite der Sabah zurückgekehrt und das mit der Inschrift „Wir haben euch nicht vergessen“. Das dtj hat sich nun an die Hotline gewendet und führte ein erstaunliches Gespräch. Bei der Rufnummer, die auf der Anzeige zu sehen ist, handelt es sich um die Rufnummer der Zeitung in Frankfurt. Dort also, wo die Zeitung ihre Hauptredaktion hat. Ein Herr ging ans Telefon und fragte zögerlich, was wir wollten. Wir haben uns als jemand ausgegeben, der gerne Menschen denunzieren will. Wir haben vorgeschlagen Namen zu nennen. „Handelt es sich um Privatpersonen?“

Sabah Hotline für Denunziation von Verrätern – „Nennen Sie uns keine Namen und auch keine Einrichtungen“

>>Ja, natürlich! Was denn sonst?<<, „Oh. Bitte nennen Sie uns auf keinen Fall Namen von Privatpersonen!“. Wir fragten erstaunt, was wir denn tun könnten, da die Mitglieder dieser Bewegung sich von allen Ereignissen ungestört weiter engagieren. Dann haben wir angeboten alternativ Namen von Institutionen und Vereinen zu nennen. „Was für Vereine sind das denn?“ Bildungsvereine, Dialog und Kulturvereine usw. haben wir aufgezählt. Die Antwort der Gegenseite wieder unerwartet: „Also, das sind alles legale Vereine und Einrichtungen, dagegen kann man nichts tun. Es tut mir leid.“

Wir waren etwas irritiert. Weshalb richtet man denn so eine Beschwerde und Denunziations-Hotline ein, wenn man das nicht tun darf? Auf unser drängen erwiderte die Person am Hörer noch einmal verblüffend: „Werden sie wirklich belästigt? Tuen diese Leute ihnen etwas?“ Das war das Ende unseres Gesprächs. Die Person auf der Gegenseite glaubte scheinbar selber nicht daran, dass diese zu denunzierenden Personen tatsächlich schädlich sind, obwohl sie sich offen für Fethullah Gülen und seine Bewegung bekennen, die in der Türkei allgemein für den Putschversuch verantwortlich gemacht werden.

dtj ruft ein zweites Mal Sabah Hotline an

Wir haben natürlich an einem anderen Termin einen neuen Versuch gestartet. Dieses mal hat es geklappt und auch ganz einfach. Wir haben eine e-Mail Adresse erhalten, wo wir erfundene Namen weiterleiten konnten. Auch die auflagenstärkste deutsche Regionalzeitung Rheinische Post berichtete jüngst darüber. „Eine „FETÖ-Melde-Hotline“ veröffentlichte die türkische Tageszeitung Sabah auf der Titelseite. Zu sehen ist eine Telefonnummer mit Frankfurter Vorwahl, eine türkische Mobilnummer für WhatsApp-Kontakte und eine E-Mail-Adresse. Damit verbunden ist der Aufruf „FETÖ-Anhänger“ anzuzeigen. Auf Deutsch übersetzt steht dort „Glaubt nicht, dass wir euch vergessen hätten. An unsere in Europa lebenden Landsleute: Meldet die Verräter, die euch belästigt haben.“ schreibt das Düsseldorfer Blatt. (Lesen Sie mehr darüber Rheinische Post)

Warum die Sabah so eine Hotline trotz der zahlreichen Anzeigen und Beschwerden einrichtet, ist schwer zu erklären, denn wie die inkonsequente Art am Telefon belegt, dass es keine reine Überzeugungstat ist. Versucht die Sabah in Deutschland bewusst so lange zu provozieren, bis ein deutsches Gericht die Zeitung in Deutschland gänzlich zu verbieten, um anschließend in die Opferrolle einzutreten, um Deutschland als ein Land zu zeigen, in dem es keine Pressefreiheit gebe? Bei der journalistischen Tiefe der Zeitung ein durchaus denkbares Manöver.