Ozan Kabak im Trikot des VfB Stuttgart. Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wer hätte ihm diese steile Karriere vorausgesagt? Allenfalls Fatih Terim, der türkische Meistertrainer, der ihn als Jugendspieler zum Istanbuler Top-Club Galatasaray holte. Die Rede ist von Ozan Kabak, dem aktuell verletzten Senkrechtstarter in den Reihen des FC Schalke 04.

Nach einer starken Halbserie in Istanbul wechselte Kabak bereits mit 18 Jahren zum damaligen Bundesligisten VfB Stuttgart. Dabei wollten ihn die Löwen vom Bosporus am liebsten behalten. Doch die Berater von Kabak lotsten ihn nach Süddeutschland. Seine Integration gelang schnell, jedoch stieg der VfB am Ende der Saison in die zweite Bundesliga ab. Damit war der Weg für Kabak zu seinem dritten professionellen Verein frei. Lange Zeit sah es danach aus, als würde das türkische Top-Talent zum FC Bayern München gehen. Doch die Münchener mussten vorerst den Kürzeren ziehen. Kabak wechselte im Juli 2019, also nur sechs Monate nach seinem Wechsel zu Stuttgart, nach Gelsenkirchen.

Wagner adelt Kabak: „Eines der größten Abwehrtalente Europas“

Ozan Kabak verkündete gleich nach seinem Wechsel zum FC Schalke 04 hohe Ziele. „Die weltbesten Abwehrspieler tragen die Vier. Ich will diesem Anspruch gerecht werden“, antwortete der 19 Jahre alte türkische Innenverteidiger auf die Frage, warum er sich die Nummer vier auf dem Trikot ausgesucht habe. Die hatte vor ihm unter anderem der frühere Schalker Kapitän Benedikt Höwedes getragen. Schalke ließ sich Kabak eine hohe Summe kosten. Für die festgeschriebene Ablöse von 15 Millionen Euro wurde das türkische Juwel verpflichtet. Am Abwehrspieler sollen neben Bayern auch andere europäische Klubs interessiert gewesen sein. Und dieses Interesse ist bis heute nur noch weiter gewachsen. Sein Coach David Wagner bezeichnete Kabak neulich als „eines der größten Abwehrtalente Europas in seinem Alter“ und einen „sehr, sehr intelligenten jungen Mann“.

In der Nationalmannschaft nur zweite Wahl

Während er auf Schalke gesetzt ist, kommt der türkische Nationalspieler im türkischen Dress oftmals nicht an den starken und ebenfalls jungen Innenverteidigern Çağlar Söyüncü und Merih Demiral vorbei. Auch Söyüncü kam aus der Türkei in die Bundesliga und wechselte danach zu seinem heutigen Arbeitgeber Leicester City in die englische Premier League. Seit seinem Wechsel zu den Foxes ist auch Söyüncü einer der wertvollsten Verteidiger Europas. Experten prophezeien ihm einen Marktwert in Höhe von 80 Millionen Euro.

Demiral hingegen spielt in der italienischen Serie A an der Seite von Cristiano Ronaldo. Ein Privileg für den Brecher, der einst bei Fenerbahçe unbeachtet blieb. Man sah in ihm zu wenig Entwicklungspotential. Danach wechselte Demiral mit 17 Jahren in die portugiesische Liga zu Alcananense. Dort zog er die Aufmerksamkeit von Sporting Lissabon auf sich und wurde vom portugiesischen Top-Club verpflichtet. Nach einer Leih-Station bei Alanyaspor in der Türkei wurde er im Juli 2019 für ebenfalls 15 Millionen Euro von US Sassuolo in die italienische Liga geholt. Ein Jahr später ging Demiral für 18 Millionen zu Juventus Turin. Dort ist er aktuell verletzt und verpasst schlimmstenfalls die Europameisterschaft im Sommer.

Kabak zweitteuerster Innenverteidiger in seiner Altersklasse

Das wiederum wäre die Chance für Kabak, sich einem noch größeren Publikum zu präsentieren. Geht es nach einschlägigen Martkwertanalysen, hat Kabak ohnehin ein noch größeres Wachstumspotential. Denn verglichen mit anderen Innenverteidigern in seiner Altersklasse U-19 ist er aktuell hinter Willaim Saliba vom FC Arsenal der zweitteuerste Innenverteidiger Europas. Laut transfermarkt.de hat Kabak bereits mit 19 Jahren einen Marktwert von 22 Millionen Euro.

Zudem sei in seinem Arbeitspapier eine Ausstiegsklausel von 45 Millionen Euro verankert, die allerdings erst 2021 greife, wie am Freitag enthüllt wurde. Bei seinem Potential wird diese Summe für Vereine wie Bayern München oder Top-Vereine aus der Premier League eine Kleinigkeit sein. Da Schalke Kabak für 15 Millionen verpflichtet hat, winkt auch den Königsblauen durch einen Verkauf ein sattes Transferplus.

Die türkischen Fans dürfen sich auf jeden Fall freuen, über drei so talentierte Verteidiger zu verfügen, die eine große Zukunft vor sich haben… Vorausgesetzt, sie bleiben gesund, kommen weiterhin auf so viel Spielpraxis wie zuletzt und lassen sich durch gierige Berater nicht den Kopf verdrehen.