Türkei: Angeklagte im «Cumhuriyet»-Prozess bleiben in U-Haft

Im «Cumhuriyet»-Prozess in der Türkei müssen die fünf seit Monaten inhaftierten Angeklagten weiter in Untersuchungshaft bleiben. Das Gericht in Silivri bei Istanbul folgte mit dieser Entscheidung in der Nacht zu Dienstag dem Antrag der Staatsanwaltschaft, wie «Cumhuriyet» und die Nachrichtenagentur DHA berichteten. Bei den Betroffenen handelt es sich um Chefredakteur Murat Sabuncu, Herausgeber Akın Atalay, den Kolumnisten Kadri Gürsel, den Investigativjournalisten Ahmet Şık und den Buchhalter Emre İper.

Insgesamt sind 18 «Cumhuriyet»-Mitarbeiter angeklagt, von denen fünf seit Monaten in Untersuchungshaft sitzen. Ihnen wird die Unterstützung verschiedener Terrororganisationen vorgeworfen. Sabuncu, Atalay und Gürsel waren am Montag seit 316 Tagen in U-Haft, Sik seit 255, Iper seit 158. Der Prozess soll am 25. September in Istanbul fortgesetzt werden.

IPI kritisiert lange U-Haft 

Das International Press Institute (IPI) – dessen Vorstand Gürsel angehört – kritisierte, durch die lange U-Haft würden die Angeklagten bestraft, ohne verurteilt worden zu sein. Das Verfahren sei «politisch motiviert» und diene dazu, Kritiker der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan mundtot zu machen.

In U-Haft muss auch ein sechster Angeklagten in dem Prozess bleiben, der aber nicht für «Cumhuriyet» arbeitet. Bei ihm handelt es sich um einen Twitter-Nutzer, der wegen seiner Twitter-Nachrichten angeklagt wird, Anführer einer Terrororganisation zu sein. Neben den 18 «Cumhuriyet»-Beschuldigten und dem Twitter-Nutzer ist noch ein freier Journalist angeklagt, der aber in Washington lebt.

dpa/dtj
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