Türkei will in Sachen Energie unabhängiger vom Ausland werden. Deswegen ist unter anderem geplant, mehrere Atomkraftwerke in der Türkei zu errichten. Eines davon soll in Sinop gebaut werden. Der Megabau soll von einem türkisch-japanisch-französischen Konsortiums übernommen werden. Zu dem Konsortium gehören aus Japan die Unternehmen Mitsubishi Heavy Industries, Taiseo und Obayashi, aus Frankreich die Firma Bouygues. Darüber hinaus sollen zwei bis drei türkische Unternehmen, darunter die Elektrik Üretim AŞ, Teil des Konsortiums sein, wie türkische Medien berichten.

Berichten zufolge sollen die Kosten für das Atomkraftwerk bei 16,3 Milliarden Dollar liegen. Damit liegen diese noch unter dem ersten geplanten türkischen AKWs in Mersin Akkuyu. Dieses soll von einem russischen Unternehmen errichtet und rund 20 Milliarden Dollar teuer werden.

Kritik an dem Bau in Sinop kommt wie erwartet von der Umweltorganisation Greenpeace. Der Reaktortyp, der zum Zuge kommen soll, sei „in keinem Land zugelassen“. Die Umweltschützer kritisieren, dass ein ähnlicher Reaktor durch den französischen Konzern Areva in den 1990er Jahren in Finnland gebaut worden wäre. Der Bau musste jedoch offenbar immer wieder verzögert werden. Zudem stiegen die Kosten von geplanten 3,2 Milliarden Euro am Ende auf 8 Milliarden Euro.

Greenpeace sieht die Türkei aufgrund ihrer geografische Lage als bestens geeignet, um Energie aus alternativen Quellen zu gewinnen. Zudem befürworten 82 Prozent der Türken einer Umfrage der Umweltorganisation zufolge Investitionen in erneuerbare Energien. Die türkische Regierung solle daher von gefährlichen Energiequellen absehen. Allerdings dürfte der Anteil derer, die in einem stark von Energieimporten abhängigen Land wie der Türkei ausschließlich auf erneuerbare Energien setzen wollen, verschwindend gering sein. Die Mehrheit der Türken setzt anderen Umfragen zufolge auf erneuerbare Energien als Teil eines breit diversifizierten Energiemix, zu dem auch Atomkraft gehört.