Die Türkei ist derzeit nach den USA der weltweit zweitgrößte Exporteur von TV-Serien, und möchte bis 2023 nicht weniger als 2 Mrd. US-Dollar allein durch den Export von kulturellen Produkten einnehmen. Dies betonte der Vorsitzende der Versammlung Türkischer Exporteure (TİM), Mehmet Büyükekşi, am Samstag auf einer Pressekonferenz, der auch Bobby Roth beiwohnte, der Produzent mehrerer erfolgreicher TV-Serien wie des Formats „Lost“.

„Das Volumen der weltweiten Kino- und TV-Industrie wird bis 2017 nicht weniger als 100 Mrd. US-Dollar erreicht haben“, betonte Büyükekşi. Die Türkei spiele bei der Entwicklung von TV-Dramaserien eine große Rolle und sei auf diesem Gebiet auf dem weltweit zweiten Platz hinter den USA.

Die Popularität türkischer TV-Serien hat im Laufe des letzten Jahrzehnts Schwindel erregende Höhen erreicht, vor allem im Nahen Osten und in südeuropäischen Ländern. Mittlerweile werden türkische Serien in mehr als 100 Länder der Welt exportiert, was zu einem Boom der heimischen TV-Industrie beiträgt.

Alleine im Jahr 2012 würden Soaps im Gegenwert von etwa 200 Mio. US-Dollar exportiert, während dieser Wert im Jahr 2004 erst bei 10 000 US-$ lag, so die TİM.

Drama über osmanischen Sultan als erfolgreichste aller TV-Serien

Eine besondere Erfolgsgeschichte ist dabei beispielsweise „Das prächtige Jahrhundert“, eine Serie, deren Schwerpunkt das Leben des osmanischen Sultans Süleymans des Prächtigen im 16. Jahrhundert ist. Die Sendung war sowohl in der Türkei als auch international ein Erfolg, sie wurde in 43 Ländern von mehr als 200 Millionen Menschen gesehen. Auch Staatspräsident Erdoğan trug mit seiner mehrmals vorgetragenen öffentlichen Kritik an der Serie, die seiner Meinung nach die historischen Tatsachen nicht wahrheitsgetreu wiedergäbe, zu ihrem Bekanntheitsgrad indirekt bei.

Die TİM startete kürzlich eine weltweite Kampagne unter dem Slogan: „Türkei: Entdecke das Potenzial“, um damit auf das große Potenzial der 100 Jahre alten Filmwirtschaft in der Türkei hinzuweisen und die Welt dazu einzuladen, es zu erkunden. „Von den Schauspielern bis hin zu den Drehbuchautoren, ist die Türkei auf dem Weltmarkt höchst wettbewerbsfähig“, betonte Büyükekşi.

Bobby Roth, der derzeit in der Türkei weilt, um eine Reihe von Episoden einer TV-Serie für den türkischen Staatssender TRT zu drehen, stimmte ihm zu und meinte, der lokale TV-Sektor habe „ein großes Potenzial, solange er die Geschichte der Türkei ehrlich erzählen könne“. Mit der Länge türkischer Serien habe er aber so seine Probleme: „Ich verstehe nicht, wie die Türken 90 Minuten lange Serien produzieren“.