Eine Fernbedienung wird am 09.01.2012 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) in Richtung eines Fernsehers gehalten. Die Mehrheit der Fernsehzuschauer in Deutschland will an den Weihnachtstagen keine Gewalt auf der Mattscheibe sehen - dpa
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Paradox, aber leider wahr: Das Weihnachtsfest, gerne auch als „Fest der Liebe“ bezeichnet, wird nicht selten als Gelegenheit zum Verschenken gewaltverherrlichender Spiele genutzt. Zwar stehen inzwischen neben diesen umstrittenen Produkten innerhalb der Welt der Computerspiele auch so genannte Serious Games, originelle Entwicklungen wie Simulationen, die durch Bewegungsscanner aktiviert werden, und einiges mehr im Vordergrund der Werbung. Aber das Thema Mediengewalt bleibt gerade zu Weihnachten eine Realität und zugleich ein Anachronismus.

Anderes zeichnet sich im Zusammenhang mit den Zuschauerwünschen bezüglich des Fernsehprogramms an den Festtagen ab. Einer Umfrage von TNS Emnid zufolge ist der Trend eindeutig und mehrheitsfähig: Im Schnitt fordern 72 Prozent der Befragten von den Programmverantwortlichen, zum „Fest der Liebe“ komplett auf Thriller und Actionfilme zu verzichten. Im Gegensatz dazu strotzt das TV-Programm jedoch geradezu von Angeboten in diese Richtung. Natürlich lässt sich auch anderes auswählen, aber gerade im Privatfernsehen dominieren Actionprogramme und selbst Horror gehört da zu den Gaben, von anzüglichen und schmuddeligen Formaten auf diversen Kanälen ganz zu schweigen. „Matrix“ am Heiligabend, „Die Borgias“, „Con Air“ und der „Girls Club“ am 25. sowie Henning Mankell am Stephanitag gehören diesmal zu den fragwürdigen Höhepunkten. Aber auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk will an Weihnachten nicht auf Krimis & Co. verzichten.

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Schafft endlich Publikumsräte!

Was wäre, wenn das Publikum ernsthaft mitreden dürfte bei Produktions- und Programmfragen? Zumindest für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gäbe es da weitergehende Möglichkeiten, als bisher durch die Rundfunkräte eröffnet werden. Mitsprache in Rundfunkräten ist an einen Status öffentlich anerkannter Verfasstheit gebunden und so finden sich in diesen Gremien beispielsweise Vertreter von Organisationen wie Kirchen, Gewerkschaften und wiederum politischen Parteien. In Österreich und der Schweiz gibt es zusätzlich Publikumsräte – allerdings nur in beratender Funktion.

Darum schlagen eine Kollegin von der Universität Erfurt und ich einen etwas anders gearteten Publikumsrat vor – erste Ideen dazu haben wir bereits auf http://publikumsrat.de (im Aufbau) zusammengetragen.

Wie dieser genau aussehen könnte, gewählt wird, welche Befugnisse er erhalten müsste, das soll Teil einer breit angelegten Diskussion werden. Es geht darum, dass die mündigen Nutzer im Gegenzug zum Entrichten ihrer Rundfunkgebühr auch eine Mitsprache erhalten. Wie man an der aktuellen Umfrage sehen kann, gehen Zuschauerwünsche und die Hypothesen der Programmmacher durchaus auseinander.

Zuschauer müssen sich gegen Trash-TV selbst wehren

„Das mündige Publikum muss sich wehren“, sagte vor einigen Jahren Prof. Gesine Schwan in ihrer Gedenkrede zum 60. Geburtstag der Frankfurter Rundschau und meinte damit, dass das Publikum sich einer Abflachung und Aushöhlung der Angebote im Informationsbereich widersetzen müsse, wenn es eine gewisse Qualität der Medien haben wolle. Warum sollte dies nicht auch für den Unterhaltungsbereich gelten?

Jenseits des medialen Harmoniebedürfnisses hat sich in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, dass die übermäßige Erwartung an ein perfekt durchkomponiertes und harmonisches Weihnachtsfest nicht selten in Dramen und Desastern endet – wie in einem schlechten Film.

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