Fondsaffäre in der Türkei: Schwiegersohn von Minister-Stellvertreter in Untersuchungshaft
In der türkischen Fondsaffäre sitzt auch der Schwiegersohn eines stellvertretenden Finanzministers in Untersuchungshaft. Insgesamt wurden bislang 65 Beschuldigte inhaftiert.
In der Fondsaffäre in der Türkei hat ein Gericht gegen mehrere Personen, darunter zwei frühere Vorstandsmitglieder des Schiffsbauunternehmens Özata Denizcilik, die Untersuchungshaft verhängt. Betroffen ist unter anderem İskender Balcı, der Schwiegersohn des stellvertretenden Finanzministers Osman Çelik und Sohn von Mustafa Balcı, eines früheren Ratsmitglieds der Bankenaufsicht BDDK.
Neben Balcı befinden sich auch dessen früherer Vorstandskollege Ali Çil sowie die Manager İsmet Öğüt und Adem Karatepe seit Freitag in Untersuchungshaft. Insgesamt hatte das Gericht über 13 Haftanträge der Staatsanwaltschaft zu entscheiden.
Balcı bestreitet Verwicklung in Fondsaffäre
Neun weitere Beschuldigte, darunter der Generaldirektor der Destek Yatırım Bankası sowie mehrere Verantwortliche von Destek Faktoring, wurden unter Auflagen freigelassen. Insgesamt befinden sich türkischen Medien zufolge mittlerweile 65 Personen im Zusammenhang mit den Vorwürfen der Kapitalmarktmanipulation in Untersuchungshaft.
Bis zum 31. August trat İskender Balcı als unabhängiges Vorstandsmitglied von Özata Denizcilik auf. In sozialen Medien erklärte er, er habe keine operative Funktion im Unternehmen gehabt und keine Börsengeschäfte getätigt. Eigenen Angaben zufolge habe er Ende August 2026 seine Funktion bei Özata beendet. Er habe nach Bekanntwerden bestimmter Aktienbewegungen Bedenken geäußert und deshalb seinen Rückzug beschlossen.
Welche konkreten Vorwürfe die Staatsanwaltschaft ihm macht, ist noch offen, die strafrechtliche Untersuchung läuft. Die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen auffälliger Abflüsse aus Investmentfonds in der Zeit vom 1. Juli bis zum 16. September. Allein der Mitbeschuldigte İsmet Öğüt soll in diesem Zeitraum den Abfluss von etwa 3,09 Milliarden TL (ca. 55,9 Millionen Euro) aus dem Fondsvermögen veranlasst haben.
Fondsaffäre belastet türkischen Finanzmarkt
Die Untersuchung bezieht sich derzeit auf Herkunft, Zusammenhänge und Begünstigte im Zusammenhang mit den Geldbewegungen. Die Kapitalmarktaufsicht in der Türkei (SPK) hatte jüngst die Schließung und Liquidation von insgesamt 131 Fonds angeordnet. Diese wurden von sieben Portfolioverwaltungsgesellschaften betrieben.
Nach Angaben des zentralen Wertpapierregisters halten rund 455.758 Privatanleger Anteile an den betroffenen Fonds. Deren Gesamtvolumen beträgt etwa 891 Milliarden TL, umgerechnet 16,4 Milliarden Euro. An der Börse löste dies Panikverkäufe aus; der türkische Leitindex verlor im Laufe der letzten Woche mehr als 8 Prozent.
Dem regierungsnahen Journalisten Abdulkadir Selvi zufolge hat sich die AKP entschieden, keinen Untersuchungsausschuss im türkischen Parlament einzuberufen. Es sei zu erwarten, dass die Opposition in den kommenden Tagen ebenjenen Ausschuss einfordern werde.
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